Jahrelanges Schweigen bricht in Wut aus: Die dramatische Stunde der Befreiung von Mauthausen, als die gequälten Häftlinge ihre Peiniger richteten und das Lager im Chaos der Vergeltung versank.H

Es ist der 12. März 1938. Deutsche Truppen überschreiten die österreichische Grenze und dringen, ohne einen einzigen Schuss abzugeben, in das Land ein. Sie treffen nicht auf bewaffneten Widerstand, sondern Jubelrufe und empfangen Blumen, während tausende Österreicher auf den Straßen Adolf Hitler begrüßen. Der erst nach Linz und schließlich nach Wien reist.
Eilen verängstigte Juden, Linke und andere Oppositionelle in Richtung der Landesgrenzen, in der Hoffnung, diese noch zu erreichen, bevor sie geschlossen werden. Doch die meisten sind gefangen in einem sich rasch nazifizierenden Österreich.
In den folgenden Wochen breitete sich pogromartige Gewalt über das ganze Land aus. Österreichische Nazis und andere schlugen, attackierten und demütigten Juden. Sie zwangen sie, die Straßen zu schrubben, öffentliche Toiletten zu putzen und demütigende Übungen durchzuführen. Viele entschieden, Österreich zu verlassen, und es bildeten sich Schlangen an den Konsulaten Wiens.

Nur wenige Monate später nahmen die Nazis das Konzentrationslager Mauthausen nah Linz in Betrieb. Die Bedingungen im Lager sind noch schlechter als in den meisten anderen Konzentrationslagern der Nazis, und die Hälfte der mehr als 190.000 Häftlinge werden zwischen 1938 und 1945 in Mauthausen und seinen Nebenlagern sterben.
Nach der Befreiung im Mai 1945 wollen die Häftlinge, die die jahrelangen Demütigungen und Misshandlungen der nationalsozialistischen Peiniger überstanden hatten, Rache nehmen, und der Ort wird Zeuge eines brutalen Massakers.
Das Lager nahm am 8. August 1938 den Betrieb auf, nur wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs, als die SS die ersten Gefangenen aus dem Konzentrationslager Dachau verlegte. Zu dieser Zeit mussten die Gefangenen, alles deutsche und österreichische Männer, das Lager aufbauen und in den Steinbrüchen arbeiten. Der Ort wurde wegen des nahegelegenen Granitsteinbruchs und der Nähe zu Linz ausgewählt.
Im Dezember 1939 veranlasste die SS den Bau eines zweiten Konzentrationslagers Gusen, nur wenige Kilometer von Mauthausen entfernt. Das Lager Gusen wurde im Mai 1940 in Betrieb genommen. Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939, als Deutschland Polen überfiel. Drei Monate nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, im Dezember 1939, war die Anzahl der Gefangenen auf über 2.600 gestiegen. Vor allem verurteilte Verbrecher, sogenannte Asoziale, politische Oppositionelle und religiöse Kriegsdienstverweigerer wie die Zeugen Jehovas.
Nachdem das NS-Regime den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatte, stieg die Anzahl an Gefangenen, die in Mauthausen ankamen, drastisch an, und die Vielfalt ihrer Herkunft nahm zu. Nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940 übergaben die Behörden des französischen Vichy-Regimes tausende spanische Flüchtlinge, von denen fast alle im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco gekämpft hatten und die nach Francos Sturz der spanischen Republik 1939 nach Frankreich geflohen waren, an die deutsche SS und Polizei.
Die inhaftierten die überwiegende Mehrheit der spanischen Republikaner, allein mehr als 7.000 in den Jahren 1940 und 1941, in Mauthausen. Und weitere Mitglieder des Widerstands gegen Franco kamen in den folgenden Jahren nach und nach in das Lager. Auch Mitglieder der Internationalen Brigaden, vor allem Kommunisten aus unterschiedlichen Ländern, die in Spanien gegen Franco gekämpft hatten, wurden in Mauthausen inhaftiert.
Einer der spanischen Häftlinge war Francisco Boix, ein Fotograf und Veteran des Spanischen Bürgerkriegs, der vier Jahre im Lager inhaftiert war. Während dieser Zeit arbeitete er im Fotolabor des Lagers und konnte etwa 2.000 Negative von Aufnahmen, die von Paul Ricken, dem SS-Leiter der Abteilung, und ihm selbst aufgenommen wurden, bis zur Befreiung verstecken. Diese Bilder zeigten die Bedingungen, unter denen die Gefangenen im Lager lebten und ermordet wurden, und sie lieferten Beweise, dass das Lager von hochrangigen Führungspersönlichkeiten des Dritten Reichs besucht wurde, darunter Ernst Kaltenbrunner und August Eigruber, die nicht nur das Lager selbst, sondern auch den angeschlossenen Steinbruch inspiziert zu haben scheinen.
Während des Krieges inhaftierte die SS auch 10.000 sowjetische Kriegsgefangene in Mauthausen, darunter 3.000, die im Nebenlager Gusen festgehalten wurden. Gefangene aus jedem von Deutschland besetzten Land im Zweiten Weltkrieg durchliefen das Konzentrationslager Mauthausen. Darunter waren von den registrierten Häftlingen mehr als 37.000 nichtjüdische Polen, fast 23.000 sowjetische Zivilisten, zwischen 6.200 und 8.650 jugoslawische Zivilisten, nach September 1943 etwa 6.300 Italiener, mindestens 4.000 Tschechen und 1944 47 Mitglieder des alliierten Militärs – alles Agenten des SOE, der britischen Spezialeinsatztruppe.
Im Lager gab es auch Frauen. Außer vier jugoslawischen Frauen, die von der SS mit 46 Männern zur Erschießung im April 1942 nach Mauthausen gebracht wurden, waren die ersten Frauen, die in das Lager kamen, Gefangene aus Ravensbrück, die ihren Körper für von der SS bevorzugte männliche Gefangene zur Verfügung stellen sollten. Die Frauen erreichten Mauthausen im Juni 1942 und dienten im ersten Lagerbordell, das im NS-Lagersystem eingerichtet wurde.
Nach Ausbruch des Krieges wurden Menschen aus ganz Europa nach Mauthausen deportiert. Nach und nach entwickelte sich ein System aus verschiedenen miteinander verbundenen Lagern. Um alle Häftlinge dort unterzubringen, wo sie arbeiteten, erbaute die SS einige Nebenlager. Kommandanten dieser Lager berichteten direkt an den deutschen NS-Kommandanten Franz Ziereis.
Neu angekommene Häftlinge wurden vom Hauptlager in die Nebenlager verlegt. Während dieser Phase waren Mauthausen und Gusen die Konzentrationslager mit den härtesten Haftbedingungen und der höchsten Sterberate. Diejenigen, die krank waren oder von der SS für nutzlos befunden wurden, mussten permanent um ihr Leben bangen. Ab 1941 begann die SS in Mauthausen mit dem Bau von Gaskammern und anderen Anlagen zum systematischen Massenmord.
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Mauthausen und Gusen führten durch Mord, Misshandlung, Aushungern, Vernachlässigung und Krankheiten zum Tod von mehr als der Hälfte der Häftlinge. Die Arbeit in den Steinbrüchen, häufig unter extremer Hitze oder Temperaturen von -30° Celsius, führten zu einer außergewöhnlich hohen Sterblichkeitsrate. Der Steinbruch in Mauthausen befand sich am Fuße der sogenannten Todestreppe. Gefangene wurden gezwungen, grob behauene Steinblöcke, die oft bis zu 50 kg wogen, die 186 Stufen hinaufzutragen. Ein Häftling nach dem anderen. Das führte dazu, dass viele erschöpfte Häftlinge vor den anderen in der Reihe zusammenbrachen und auf die anderen Gefangenen fielen, wodurch ein Dominoeffekt entstand. Der erste Häftling fiel auf den nächsten und so weiter die Treppe hinunter.
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Im Steinbruch wurden die Gefangenen gezwungen, die Felsbrocken von morgens bis abends zu tragen, während sie von SS-Wachleuten ausgepeitscht wurden. Diese Brutalität war nicht zufällig. Der ehemalige Gefangene Edward Mosberg berichtete:
„Wenn man nur einen Moment inne hielt, wurde man entweder von der SS erschossen oder von der Klippe in den Tod gestoßen.“
Die SS-Wachmänner zwangen die Gefangenen, die erschöpft waren von stundenlanger harter Arbeit ohne ausreichende Nahrung oder Wasser, oft dazu, mit Steinblöcken die Treppe hinaufzurennen. Diejenigen, die diese Tortur überlebten, wurden dann häufig in einer Reihe am Rand einer Klippe aufgestellt, die als Fallschirmspringermauer bekannt war. Mit vorgehaltener Waffe hatte jeder Häftling dann die Wahl, entweder erschossen zu werden oder den Gefangenen, der vor ihm stand, von der Klippe zu stoßen.
Andere gängige Methoden zur Vernichtung von Häftlingen, die entweder krank oder arbeitsunfähig waren, oder als Mittel der kollektiven Bestrafung oder nach Fluchtversuchen, waren unter anderem das Erschlagen von Gefangenen, Aushungern in Bunkern, Tod durch den Strang oder Massenerschießung durch SS-Wachleute oder Kapos. Manchmal warfen Wachen oder Kapos, also Funktionshäftlinge, Gefangene mit Absicht in den 380-Volt-Stacheldrahtzaun oder zwangen sie außerhalb des Lagers, um sie dann unter dem Vorwand eines Fluchtversuchs zu erschießen.
Eine andere Methode zur Hinrichtung waren Eisduschen. Etwa 3.000 Häftlinge starben an Unterkühlung, nachdem sie gezwungen wurden, eine eiskalte Dusche draußen bei Minusgraden zu nehmen. Viele Häftlinge in Gusen II wurden in Wasserfässern ertränkt. Einige Häftlinge wurden von einem Hund namens Lord wortwörtlich in Stücke gerissen.
Zusätzlich wurden die Gefangenen von Mauthausen von deutschen Ärzten für pseudowissenschaftliche medizinische Experimente missbraucht, darunter die Prüfung des Testosteronspiegels, Experimente mit Entlausungsmitteln, Medikamente für Tuberkulose und Experimente zur Ernährung. Der Lagerarzt Hermann Richter entfernte lebenswichtige Organe von lebenden Menschen, z.B. Magen, Leber oder Nieren, um herauszufinden, wie lange die Häftlinge ohne das jeweilige Organ überleben konnten.
Eduard Krebsbach, der ausführende Lagerarzt zwischen Herbst 1941 und Herbst 1943, tötete eine unbekannte Anzahl von Gefangenen, indem er ihnen Phenol direkt ins Herz injizierte. Der österreichische Arzt Aribert Heim, der auch als „Dr. Tod“ oder „Schlächter von Mauthausen“ bekannt war, führte nicht nur grausame Experimente durch, wie die Injektion verschiedener Mittel in die Herzen jüdischer Gefangener, um herauszufinden, welche sie am schnellsten tötete, sondern führte auch Operationen ohne Betäubung an ihnen durch.
Die Essensrationen im Lager waren begrenzt, und während der Zeit zwischen 1940 und 1942 wog ein durchschnittlicher Gefangener 40 kg. 1945 überstiegen die Rationen keine 600 bis maximal 1000 Kalorien am Tag, weniger als ein Drittel von dem, was ein durchschnittlicher Arbeiter der Schwerindustrie benötigte. Die reduzierten Rationen führten zum Verhungern von tausenden von Häftlingen.
Ab 1943 etablierten die in Mauthausen inhaftierten spanischen Republikaner, mit Hilfe ihrer Erfahrung als kommunistische Kämpfer und ihren Kontakten zu tschechischen, französischen und deutschen Mitgliedern der Internationalen Brigaden, kleine geheime Widerstandsnetzwerke im Lager. Im Winter 1944 auf 1945 hatten diese Gruppen Untergrundstrukturen mit aus dem Lager gestohlenen Waffen gebaut. Ihre wichtigsten Aktivitäten waren die Versorgung hungernder Häftlinge mit Nahrungsmitteln, dem zeitweiligen Verstecken von Gefangenen und deren Schutz vor der willkürlichen Folter und Misshandlung durch die Kapos.
Während der zweiten Hälfte des Krieges mussten die Gefangenen, unter denen bis September 1944 auch 459 Frauen waren, als Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie arbeiten. Da die Häftlinge immer mehr für ihre Arbeitskraft gebraucht wurden, verbesserten sich die Haftbedingungen im Lager für eine kurze Zeit. Ende 1944 arbeiteten 6.000 Gefangene in 18 Fabrikhallen in Gusen, wo Gewehre, Maschinenpistolen und Flugzeugmotoren produziert wurden. Die Konzentration auf die Rüstungsproduktion ging für die Gefangenen mit einigen Verbesserungen der Haftumstände einher. Die SS-Führung erhöhte die Rationen, ließ Pakete mit Lebensmitteln und Medizin von außen kommen und gab spezielle Gutscheine für besonders produktive Arbeiter aus. Dennoch misshandelten die Lagerwachen während der gesamten Zeit des Bestehens von Mauthausen die Häftlinge brutal.
1944, als die Gefahr durch alliierte Luftangriffe zunahm, setzte die Lagerleitung von Gusen tausende Häftlinge ein, um unterirdische Tunnel zu bauen, in denen die Rüstungsproduktion fortgesetzt wurde. Gegen Ende des Krieges wurde das Konzentrationslager Mauthausen Ziel für zahlreiche Evakuierungen aus Lagern nah der Front. Gefangene, die mit Zügen, Lastwagen und auf Zwangsmärschen aus Auschwitz, Sachsenhausen und Groß-Rosen evakuiert wurden, erreichten Mauthausen ab Anfang 1945. Zehntausende Häftlinge kamen über lange Transporte an. Überfüllte Unterkünfte, Lebensmittelmangel und grassierende Krankheiten führten zum Massensterben unter den Gefangenen in den letzten Monaten vor der Befreiung.
Auch die brutale Folter und Tötung von Häftlingen wurde bis in die letzten Tage des Lagers fortgesetzt. Im April 1945 schlugen die Kapos im Konzentrationslager Gusen auf Anordnung der SS hunderte Häftlinge zu Tode. Ende desselben Monats ermordete die SS in einer der letzten Vergasungsaktionen des Dritten Reichs 650 kranke Häftlinge mit Giftgas in einer Baracke. Die Gaskammer von Mauthausen blieb bis in die letzten Kriegstage in Betrieb. Die SS ermordete nach einer Selektion am April 1945 beinahe 3.000 Häftlinge aus der Krankenstation, und die Lagerleitung führte am 28. April 1945 den letzten Massenmord in der Gaskammer durch. Bei den Opfern handelte es sich um 33 oberösterreichische Sozialdemokraten und kommunistische Regimegegner.
Anfang Mai 1945 spielten einige der SS und der oberösterreichischen NSDAP-Führung mit dem Gedanken, die Gefangenen in die für die Rüstungsindustrie gegrabenen unterirdischen Tunnel zu treiben und diese mit Sprengstoff zu füllen. Diese Pläne wurden jedoch weder von der SS noch von den NSDAP-Eiferern in die Tat umgesetzt.
Am 5. Mai 1945 erreichte die US-Armee die Konzentrationslager Mauthausen und Gusen. Die befreiten Häftlinge, viele von ihnen wurden über Jahre gefoltert und wie Tiere behandelt, bekamen endlich ihre Rache. Zum Zeitpunkt der Befreiung waren die meisten Wachen aus Mauthausen schon geflohen, aber die etwa 30 verbliebenen wurden von den Häftlingen brutal getötet. Eine ähnliche Anzahl wurde auch in Gusen ermordet. Diejenigen, die nicht getötet wurden, wurden gezwungen, im Steinbruch zu arbeiten, und sie standen unter der Führung der Häftlinge, die sie einst misshandelt hatten. Die ehemaligen SS-Wachen wurden auch körperlichen Strafübungen unterzogen, wie z.B. auf dem Boden kriechen oder Gymnastik. Unter den Augen der Überlebenden und der amerikanischen Soldaten mussten die ehemaligen SS-Wachen die Übungen durchführen, die sie über Jahre den Häftlingen aufgezwungen hatten.
Am 5. und 6. Mai brach der lang unterdrückte Hass auf die Kapos, die die ihnen übertragene Aufsichtsrolle mit extremer Brutalität ausgeführt hatten, gewaltsam aus, und für viele Häftlinge hatte die Stunde der Rache begonnen. In den Wirren der Befreiung töteten Häftlinge aus Wut über die von den Kapos und Barackenältesten im Vormonat begangenen Morde eine Reihe dieser Häftlinge, die als Kapos, Stubenälteste oder in anderen Formen des Hilfsdienstes für die SS tätig gewesen waren. Ein Bericht von Boris Beckesch über die Ereignisse des 5. Mai 1945 schildert Folgendes:
„Meine Aufmerksamkeit war auf die Schreie und den Lärm im Raum gerichtet. Die Russen schleppten den Blockführer aus dem Raum. Er war sehr hart zu den Gefangenen gewesen und hatte sie bei jedem kleineren Vergehen verprügelt, vor allem die nichtdeutschen Gefangenen. Sie rissen ihm die Kleidung vom Leib, schlugen und traten ihn. Jeder wollte etwas von seiner Wut ablassen. Schließlich nahm ein junger Russe einen Stuhl und schlug ihn damit so fest er konnte auf den Kopf. Der Mann fiel um und bewegte sich nicht mehr.“
An anderer Stelle des Berichts werden weitere Ereignisse erwähnt:
„Als die beiden ehemaligen Häftlinge Rudi und Hai zurückkamen, war es schon dunkel. Sie sagten, sie waren in einem Block gewesen, in dem die Mehrheit Polen waren. Einer der Polen hatte einen Kapo namens Mann mit einem Messer erstochen. Er war mit uns in Steyr, einem Nebenlager von Mauthausen, gewesen und ein anständiger Kerl, aber als er Kapo wurde, zeigte er alle Eigenschaften, die ein Kapo haben muss. Er war auch ein Pole und behandelte seine Landsmänner so hart wie alle anderen auch. Einer seiner Landsleute rammte ihm ein Messer mit solcher Wucht in die Brust, dass er wortwörtlich ans Bett genagelt wurde.“
„An diesem Tag steckten die Russen unseren Barackenältesten kopfüber in ein Fass voll Wasser, das für den Fall eines Brandes dort stand. Er strampelte und zappelte eine Weile mit seinen Füßen, aber bald hörte er auf sich zu bewegen, und seine Beine fielen zurück ins Fass.“
Dem ehemaligen Lagerkommandanten Franz Ziereis erging es nicht besser. Am 23. Mai 1945 wurde Ziereis, der ab August 1939 bis zur Befreiung Lagerkommandant war, bei einem Fluchtversuch dreimal in den Bauch geschossen und starb am nächsten Tag im ehemaligen Konzentrationslager Gusen. Nach seinem Tod hängten ehemalige Häftlinge seine Leiche nackt, bis auf eine Binde am linken Arm, am Zaun des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen auf. Auf seinem Rücken hatten sie mit roter Farbe „Heil Hitler“ geschrieben und auf seinen Hintern ein Hakenkreuz gemalt. Ziereis’ Leiche blieb dort für einige Tage lang so hängen, dass sein Oberkörper und seine Beine über den Zaun baumelten. Nur der Gestank der Verwesung ließ einen Offizier schließlich die Entfernung seiner Leiche anordnen.
Einige Häftlinge waren in so geschwächtem Zustand, dass viele auch in den Tagen und Wochen nach der Befreiung noch starben. Etwa 197.000 Menschen durchliefen das Lagersystem Mauthausen zwischen 1938 und Mai 1945. Mindestens 95.000 von ihnen starben dort, darunter mehr als 14.000 Juden. Für die Opfer des Konzentrationslagers Mauthausen wurden viele Tränen vergossen.



