Deutsche Kriegsgefangene wurden vom Geruch von Pfannkuchen in US-Gefangenenlagern überrascht – Familiengeschichten.H
Es war der Morgen des 3. Februar 1945, als Helga Schneider wie erstarrt am Eingang der Kantine von Fort Ogulthorp in Georgia stand. Ungläubig wie gelähmt, als ein seltsamer, unerklärlicher Duft durch die Luft wehte. Butter. Zucker. Etwas Süßes und Tröstliches, ein Duft, der an die Kindheit erinnerte. Der Duft von Pfannkuchen. Amerikanische Pfannkuchen mit Ahornsirup.

Sie war kein junges Mädchen mehr, frisch aus den kriegszerstörten Straßen Münchens. Mit 26 Jahren hatte Helga genug erlebt, um gegenüber den Schrecken des Krieges abgestumpft zu sein. Aber das hier … das war anders. Das hier war etwas, das man ihr jahrelang eingetrichtert hatte zu fürchten und zu verachten: der amerikanische Feind, die sogenannten „Barbaren“, die die Nazi-Propaganda unaufhörlich verurteilt hatte. Und nun stand sie hier, in einem fremden Land, als Kriegsgefangene, und starrte auf Stapel goldener Pfannkuchen – Essen, das sie seit der Zeit vor dem Krieg nicht mehr gesehen hatte, etwas, das zu einem Leben zu gehören schien, das sie fast vergessen hatte.
„Wollen Sie den ganzen Tag hier stehen?“, riss eine laute Stimme sie aus ihren Gedanken. Ein amerikanischer Soldat bedeutete ihr, in der Reihe vorzurücken. Seine Stimme war nicht schroff, aber irgendwie distanziert. Es war weder eine Begrüßung noch ein Befehl, nur die Feststellung der Routine.
Helga trat vor, ihre Hände zitterten leicht. Ihr Blick fiel auf das warme Essen vor ihr, ein Luxus, den sie in Gefangenschaft nie erwartet hatte. Sie sah zur Seite und begegnete Margaret Voss, einer anderen Deutschen, die erst zwei Tage zuvor angekommen war. Auch Margaret wirkte fassungslos, ihr Gesichtsausdruck verwirrt.
„Das servieren sie den Gefangenen“, flüsterte Helga mit zitternder Stimme. „Pfannkuchen… mit Sirup.“
Margarets weit aufgerissene Augen spiegelten ihr Unglauben wider. „Was … Was meinen Sie damit?“
„Pfannkuchen“, wiederholte Helga. „Und Ahornsirup. Die Sorte, von der wir immer geträumt haben … die Sorte, von der man uns sagte, dass sie sich nur reiche Amerikaner leisten könnten. Sie servieren sie uns … im Gefängnis.“
In diesem Moment erstarrten die beiden Frauen, als hätte sich die Welt um sie herum verändert. Es ergab keinen Sinn. Die Vorstellung, dass ein Land, das sie als dekadent kennengelernt hatten, ein Land, dessen Bevölkerung sie hassen und fürchten sollten, sie nun mit solch schlichter, menschlicher Anständigkeit behandelte. Es war ein Paradoxon. Helga dachte an die Nazi-Reden zurück, die ihr in den Ohren gelegen hatten und die ihr prophezeiten, Amerika stünde kurz vor dem Zusammenbruch – die Wirtschaft am Boden, die Bevölkerung am Hungertod, die Fabriken unproduktiv. Das amerikanische Militär sei angeblich schlecht ausgerüstet, desorganisiert und unvorbereitet auf den Kampf. Doch vor ihr stand ein Überfluss, den sie sich nicht erklären konnte.
Ihre Gedanken wanderten zurück zu den Jahren der Indoktrination, den endlosen Vorträgen darüber, wie schwach und kraftlos die Amerikaner seien, wie ihre Industrie zusammenbrechen und ihre Ressourcen versiegen würden. Man hatte sie darauf trainiert, an die Überlegenheit des Reiches und die völlige Unterlegenheit ihres Feindes zu glauben. Doch nun, da sie in einem fremden Lager am anderen Ende der Welt stand, zerbrach dieser Glaube mit jedem Atemzug der warmen, wohltuenden Luft und jedem Bissen Essen. Das waren nicht die verzweifelten, hungernden Amerikaner, vor denen man sie gewarnt hatte. Das waren etwas ganz anderes.
„Wie machen die das bloß?“, flüsterte Helga vor sich hin, während sie sich eine weitere Gabel voll Pfannkuchen in den Mund schob. Die Süße des Sirups, die Weichheit der Pfannkuchen – es war fast unerträglich. Wie konnten sie sich das leisten? Wie war es möglich, dass ein Land, das in einen so brutalen Krieg verwickelt war, seinen Gefangenen solchen Luxus bot?
Die Frage ließ sie tagelang nicht los und wurde zu einem ständigen Begleiter. Der Überfluss, die Vielfalt der Speisen, die komfortablen Lebensbedingungen – all das war ihr so fremd, dass sie es zunächst nicht glauben wollte. Immer wieder fragte sie sich: Warum? Warum behandelten sie uns so?
Auch ihre Mitgefangenen machten sich mit ihren eigenen Erkenntnissen auseinander. Für Margaret Voss begann es mit etwas so Einfachem wie Schokolade. „Echte Schokolade, mit Kakaobutter“, hatte Margaret nach den ersten Tagen in Gefangenschaft in ihr Tagebuch geschrieben. „Sie ist nicht dieselbe wie die Schokolade, die wir in Deutschland hatten. Sie ist echt … und sie geben sie uns, als wäre es nichts.“
Nichts davon ergab Sinn. Die amerikanischen Soldaten, die den „schrecklichen, dekadenten“ Feind verkörpern sollten, waren wohlgenährt, gut gekleidet und schienen das Leid, das Deutschland seit Jahren ertragen musste, völlig zu ignorieren. Im Gegenteil, sie behandelten ihre Gefangenen freundlich und boten ihnen sogar Luxusgüter wie Schokolade, Zigaretten und gutes Essen an. Währenddessen herrschten in Deutschland, woher die Gefangenen stammten, ständiger Hunger, Überfälle und Elend.
Yet the contrast didn’t stop there. The machinery of war in the United States seemed to defy the bleak propaganda. American factories were turning out goods at an extraordinary pace, churning out ships, aircraft, and vehicles at a speed that overwhelmed even the most pessimistic German estimates. Helga Schneider, who had been trained as a nurse, recalled an American doctor treating her for a minor ailment. The treatment was quick, efficient, and effective. Everything worked.
Meanwhile, the hospitals in Germany were in a state of disrepair, lacking even basic medical supplies. The soldiers on the front lines had rationed supplies, and yet the Americans were providing them with clean, efficient care. What was this? Helga couldn’t stop herself from wondering. She had lived through the deprivation in Germany—her family had barely made it through the war, surviving on meager rations. But in the United States, prisoners like her were treated better than most civilians back home.
For months, these women lived through the contradictions, experiencing firsthand the immense disparity between what they had been told and what they were now witnessing. Helga had arrived at Fort Ogulthorp in January 1945. By February, the emotional impact of the vast difference between what Nazi propaganda had taught her and what she was living through was beginning to take hold.
“Americans are so wasteful,” Margaret Voss had said to her one evening, after another incredible meal had been served. The American soldiers ate with a casualness that seemed incomprehensible to the women who had starved for years. They tossed food aside with carelessness, wasting it in a way that was unimaginable in war-torn Germany. “We fought for food,” Helga thought, remembering her own days in Munich before the war escalated. “And here, they toss it away like it’s nothing.”
Helga’s reflection led her to question everything she had ever been taught. The wealth and abundance around her became a daily reminder of the lies the Reich had fed her. But the most unsettling realization of all came after she spoke to a few American guards who had been captured and were now working in the camp. These men—once her enemies—told her stories about their lives, their families, and their homes. Many of them had never known hunger, had never gone without food or warmth. They were ordinary, decent people who had been living lives of comfort while the German people had been led to believe their enemies were suffering.

Im Laufe der Zeit änderte sich die Behandlung der Gefangenen durch die Amerikaner nicht. Die Frauen aßen gut, schliefen in sauberen Betten und erholten sich allmählich von den Jahren der Entbehrung. Durch eine unerwartete Wendung der Ereignisse begannen viele dieser Frauen, die einst glühende Anhängerinnen der Nazi-Ideologie gewesen waren, nun alles in Frage zu stellen, was man ihnen beigebracht hatte. Die schlichte Wahrheit von Überfluss und Güte erschütterte ihre bisherigen Überzeugungen über Amerika und den Krieg.
Helga Schneider erinnerte sich später daran, wie sie sich in dieser neuen Realität verloren fühlte. „Ich habe seit meiner Ankunft hier acht Kilo zugenommen“, schrieb sie in einem Brief an ihre Schwester. „Ich bin gesünder als in Deutschland, wo ich dem Reich dienen sollte. Und trotzdem esse ich jetzt Essen, das ich mir nie hätte vorstellen können.“
Es waren die kleinen Dinge – die Pfannkuchen, die Schokolade, das Brot –, die sie zutiefst erschütterten. Diese einfachen Freuden wurden zu Symbolen der gescheiterten Ideologien, die zur Niederlage Deutschlands geführt hatten. Das amerikanische System des Überflusses stand in krassem Gegensatz zu dem Leid, das sie durchlebt hatte, und hinterließ sie zutiefst desillusioniert.
Nach Kriegsende und ihrer Heimkehr fanden die Frauen ein zerstörtes Deutschland vor, das um den Wiederaufbau kämpfte. Doch was sie mitbrachten, war ein neues Weltbild – eine Welt, in der Wohlstand keine Lüge oder Propaganda war, sondern schlichte Realität. Sie hatten die Wahrheit selbst erlebt und konnten sie nicht leugnen.
Helga Schneiders Erfahrungen, zusammen mit denen anderer Frauen, die in den Vereinigten Staaten inhaftiert gewesen waren, trugen zu einem langsamen, aber tiefgreifenden Wandel im Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg bei. Diese Frauen wurden zu inoffiziellen Botschafterinnen des amerikanischen Lebensstils und setzten sich für wirtschaftliche Liberalisierung und eine stärkere Integration in westliche Systeme ein. Ihre Worte, anfangs noch zögerlich, verbreiteten sich allmählich in ganz Deutschland und halfen, die alten Mauern des Misstrauens und Hasses einzureißen.
Die einfache Geste, Gefangenen in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager Pfannkuchen zu servieren, hatte die deutsch-amerikanischen Beziehungen nachhaltiger verändert als jede politische Rede oder jeder militärische Sieg. Diese Erkenntnis sollte die kommenden Jahrzehnte prägen, alte Feinde in enge Verbündete verwandeln und die Welt, wie wir sie heute kennen, formen.




