Der letzte, verzweifelte Kampf ums Überleben – so stellen sich viele das Ende von Margot Frank im Konzentrationslager vor. Aber was wirklich geschah, ist weit schlimmer, als man sich je vorstellen konnte. Eine andere Überlebende, Nanette Blitz, erinnerte sich an Anne Frank als Schatten ihrer selbst…H
Der 10. Mai 1940, Zweiter Weltkrieg Niederlande. Nazi Deutschland überfällt die Niederlande die Luftwaffe setzt Fallschirmjäger ein, um strategische Punkte zu sichern und den Vormarsch der Bodentruppen zu unterstützen. Begleitet wird die Invasion von schweren Luftangriffen auf Rotterdam, die am 14. Mai in der Zerstörung des gesamten historischen Stadtzentrums gipfeln.
Als die Deutschen drohen auch Utrecht zu bombardieren, kapitulieren die niederländischen Streitkräfte am nächsten Tag. Kurz darauf besetzen die Nazis das ganze Land, unterlassen eine Reihe antijüdischer Gesetze, um Juden aus der Gesellschaft zu drängen und ihre Existenzgrundlage zu zerstören. 15 000 jüdische Flüchtlinge, die zwischen 1933 und 1939 aus Nazi Deutschland in die Niederlande geflohen waren, geraten erneut unter die Herrschaft der Nationalsozialisten.
Eine von ihnen ist Margot Frank, die ältere Schwester von Anne Frank, die später eine der bekanntesten Tagebuchschreiberinnen der Welt werden sollte. Margot Betty Frank wurde am 16. Februar 1926 in Frankfurt am Main geboren. Ihre Eltern Otto und Edit Frank führten ein bürgerliches Leben. Margot hatte eine jüngere Schwester, Anne, mit der sie eine unbeschwerte Kindheit verbrachte. Fast täglich spielten die beiden im Garten mit den Nachpaskindern. Die Franks waren liberale Juden und lebten in einer assimilierten Gemeinschaft aus jüdischen und nichtjüdischen Bürgern verschiedener Religionen am Stadtrand von Frankfurt.
Doch ihr Leben änderte sich dramatisch, als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler von Präsident Paul von Hintenburg zum Reichkanzler ernannt wurde. Die Familie erinnerte sich gut an die Ereignisse des Sommers 1932, als Mitglieder der SA, einer paramilitärischen Organisation der NSDP, auch bekannt als Sturmabteilung, durch Frankfurtsstraßen marschierten. Mit Hakenkreuzarmbinden skandierten sie lautstark antisemitische Lieder. Darunter:
„Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut.“
Die Sorgen der Franks Wuchsen, als das NS-reime schnell begann, die Rechte der jüdischen Bevölkerung drastisch einzuschränken. Laut der Volkszählung vom 16. Juni 1933 machten Juden weniger als 0,8% der Gesamtbevölkerung von 67 Millionen aus. Trotzdem erließen die Nazis immer neue Maßnahmen gegen sie. Am 25. April 1933 verabschiedete die Regierung das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen, das die Zahl jüdischer Schüler an öffentlichen Schulen drastisch begrenzte.

Demnach durfte der Anteil jüdischer Schüler wie Margot nicht mehr als 5% der Gesamtschülerzahl betragen. Eine Ausnahme galt nur für jüdische Schüler, deren Väter im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten oder die ein nichtjüdisches Elternteil oder zwei nichtjüdische Großeltern hatten. Doch dieses Gesetz blieb nicht das einzige. Es folgten immer weitere Einschränkungen. Zudem wurden öffentliche Schulen zunehmend zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie genutzt.
Lehrer predigten den Schülern gehorsam gegenüber dem Staat, Militarismus, Rassismus und Antisemitismus. Angesichts dieser Entwicklungen schickten immer mehr jüdische Eltern ihre Kinder auf Privatschulen, während zehntausende Juden Deutschland ganz verließen. Auch die Franks gehörten zu denen, die ihr Heimatland hinter sich ließen und in die Niederlande auswanderten. Im September 1933 gründete Otto Frank eine Filiale der OPCTA Firma in Amsterdam, die mit Pektin handelte, einem Geliermittel zur Herstellung von Marmelade. Bald darauf folgte der Rest der Familie. Margot war 7 Jahre alt, als sie im Dezember 1933 nach Amsterdam zog. Ihre Schwester Anne folgte im Februar 1934.
Die Franks gehörten zu den 300.000 1000 Juden, die zwischen 1933 und 1939 aus Nazi Deutschland flohen. Nach ihren Erlebnissen im Dritten Reich fand die Familie bald in Amsterdam ein neues Zuhause. Sie knüpften neue Freundschaften und trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Sprache wurden die beiden Schwestern zu hervorragenden Schülerinnen, besonders Margot.
Ihre Eltern entschieden, dass eine normale niederländische Schule in der Nachbarschaft die beste Wahl für sie wäre und meldeten Margot an einer Schule im Süden Amsterdams an. Sie lernte die neue Sprache schnell und erreichte am Ende des Schuljahres bereits die Note 3 auf einer Skala von 1 bis 5. Danach besuchte Margot das städtische Lyzeum für Mädchen, wo sie erneut hervorragende Leistungen zeigte. Ihre Noten waren durchgehend gut, insbesondere in Naturwissenschaften und Mathematik, wo sie einen neuen auf einer Skala von Zeh erreichte. Laut einer Schulfreundin blieb Margot trotz ihrer herausragenden Leistungen bescheiden.
Während die Mädchen mit ihrem neuen Leben in den Niederlanden zufrieden schienen, war die Situation für ihre Eltern schwieriger. Otto arbeitete hart daran, sein Unternehmen aufzubauen und seiner Familie eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Die finanzielle Lage der Familie verbesserte sich jedoch 1938, als Otto ein weiteres Unternehmen gründete. Pektaon, ein Großhandel für Gewürze und Kräuter.
Angesichts der Entwicklungen in Nazide Deutschland und seiner aggressiven Expansion plante Otto in Großbritannien eine neue Firma zu gründen und mit der Familie dorthin auszuwandern. Doch dieser Plan scheiterte. Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Margot war sich der Kriegsgefahr bewußt. Zwei Wochen vor dem deutschen Überfall auf die Niederlande schrieb sie in einem Brief an eine Schülerin in den USA, die sie durch ihren Englischlehrer kennengelernt hatte, dass ihre Familie in dieser angespannten Zeit oft das Radio hörte und sich nie sicher fühlte, denn die Niederlande waren ein kleines Land, das direkt an Naziutschland grenzte. Margot Frank war 14 Jahre alt, als Deutschland am 10. Mai 1940 die Niederlande überfiel. Das Leben der Franz änderte sich schlagartig. Das verbrecherische NS-Rime, vor dem Sie 1933 geflohen waren, holte sie schließlich in dem Land ein, das ihnen einst Sicherheit und Freiheit geboten hatte.
Die Niederlande wurden von den Deutschen besetzt und es dauerte nicht lange, bis die Nazis neue antisemitische Gesetze und Vorschriften erließen, die das Leben der jüdischen Bevölkerung massiv einschränkten. Juden wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen und jüdische Geschäfte sowie die Juden selbst mussten registriert werden. Sie durften keine Parks, Kinos oder nichtjüdische Geschäfte mehr besuchen. Viele Orte, die Margot zuvor regelmäßig besuchte, waren nun unerreichbar.
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Auch das Lum für Mädchen durfte sie nicht mehr besuchen. Alle jüdischen Kinder wurden auf eigene jüdische Schulen verwiesen. Margot musste auf das jüdische Lyzeum wechseln, wo sie weiterhin ausgezeichnete Leistungen zeigte. Doch ihr Alltag wurde immer stärker eingeschränkt. Die einst sportbegeisterte Margot musste das Tennisspielen und Rudern aufgeben, da Juden der Zugang zu Sportvereinen untersagt wurde. Nach den neuen Gesetzen der Nazis war es Juden verboten, eigene Geschäfte zu führen und sie zwangen Otto Frank seine Unternehmen aufzugeben. Doch Otto war vorausschauend gewesen. Er hatte die Kontrolle über seine Firmen rechtzeitig an nichtjüdische Angestellte übertragen und sie so vor dem Zugriff der Nazis gerettet.
Die Lage verschärfte sich 1941, als jüdische Männer während Ratzien verhaftet und in Konzentrationslager wie Mahausen deportiert wurden. Unter den deportierten befanden sich auch Freunde und Bekannte der Franks und schon bald trafen die ersten Todesnachrichten ein. Otto erkannte, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch seine Familie betroffen sein würde. Er versuchte in die USA oder nach Kuba auszuwandern, doch die notwendigen Papiere erhielt er nie. Im Frühjahr 1942, als die Deportationen immer näher rückten, entschied Otto Frank ein Versteck in einem leerstehenden Teil seiner Geschäftsräume in der Prinzenkracht 263 einzurichten. Am 29.
April 1942 erließen die Besatze eine neue Vorschrift. Juden mussten von nun an einen gelben Davidstern als Erkennungszeichen tragen. Wer nach dem 5. Mai ohne diesen Stern erwischt wurde, musste mit sechs Wochen haft rechnen. Im Sommer 1942 begannen die systematischen Deportationen der niederländischen Juden in die Vernichtungslager. Transporte verließen regelmäßig die Durchgangslager Westerburg und Fucht.
Von den rund 140.000 Juden, die zu Beginn des Krieges in den Niederlanden lebten, wurden bis September 1944 etwa 107 000, darunter auch viele kleine Kinder, vorwiegend nach Auschwitz und Zibortiert. Nur 5000 von ihnen überlebten den Holocaust. Der letzte unbeschwerte Moment für die Familie Frank vor dem Versteck war am 12. Juni 1942 Annes 13. Geburtstag. An diesem Tag erhielt sie das Tagebuch, dass sie später weltberühmt machen sollte.
Doch schon am 5. Juli 1942 erhielt Margot eine Vorladung für ein sogenanntes Arbeitslager in Nazi Deutschland. Angesichts des Schicksals ihrer bereits deportierten Freunde und Bekannten wussten die Franks, dass sie nicht zögern durften. Am nächsten Morgen tauchten sie unter, um der Verfolgung zu entkommen. In ihrem Versteck verbrachte die Familie 761 Tage über 2 Jahre in ständiger Angst. Nach einer Woche schlossen sich ihnen Hermann, Auguste und der 16-jährige Peter van Pels an. Im November 1942 folgte der Zahnarzt Fritz Pfeffer.
Ursprünglich teilte Margot ein Zimmer mit ihrer Schwester Anne. Doch nach Fritz Pfeffers Einzug musste sie in das Zimmer ihre Eltern umziehen. Eine schwierige Situation für ein 16-jähriges Mädchen. Dank Annes Tagebuch wissen wir heute, wie die acht Menschen in ihrem engen Versteck lebten. Verborgen hinter einem drehbaren Bücherregal in einem dreistöckigen Raum. Sie waren vollkommen auf sechs Helfer angewiesen. Mitarbeiter und Freunde von Margot Vater, die zwischen 1922 und 1944 die acht untergetauchten mit Essen, Kleidung und allem Lebensnotwendigen versorgten. Dank eines Tagebuch erhalten wir einen Einblick in ihren Alltag.
Es war besonders wichtig, leise zu sein, vor allem ab 8:30 Uhr, wenn die Arbeiter im Warenlager unter dem Versteck ihren Arbeitstag begannen. Jedes Geräusch konnte Verdacht erregen. Der Vormittag war dem Lesen, Lernen und der Vorbereitung des Mittagessens gewidmet. Um 12:30 Uhr, wenn die Lagerarbeiter nach Hause gingen, kamen einige Helfer in den geheimen Anbau, um mit ihnen gemeinsam zu essen. Mes blieb meist im Büro, um die Lage im Blick zu behalten. Dies ermöglichte ihnen die seltene Gelegenheit, andere Menschen zu sehen und Radio Oranje zu hören.
Das Exilprogramm der niederländischen Königin Wilhelmina, das von der BBC ausgestrahlt wurde. Wilhelm war am 13. Mai 1940 vor den einmarschierenden deutschen Truppen geflohen und nach England gelangt, wo sie im Verlauf des Krieges 34 mal zu ihrem Volk sprach. Während einige am Nachmittag ruhten, schrieb Margot genau wie Anne in ihr Tagebuch oder lernte. Laut Annes Aufzeichnungen beschäftigte sich Margot mit Englisch, Französisch, Latein, Biologie und Wirtschaft und Talf Fritz Pfeffer dabei Niederländisch zu lernen. Außerdem belegte sie einen Lateinkurs per Fernterricht unter dem Namen der Helferin B Fuscale.
Während Anne davon träumte, Schriftstellerin oder Journalistin zu werden, wollte Margot als Geburtshelferin in Palästina arbeiten. Am Nachmittag tranken die Schwestern mit den anderen eine Tasse Kaffee, bereiteten das Abendessen zu und konnten sich ab 17:30 Uhr, wenn die Arbeiter das Warenlager verließen, im Haus freier bewegen. Danach wurde gemeinsam gekocht und jeder nutzte nacheinander das Badezimmer. Genau wie morgens vor Arbeitsbeginn der Lagerarbeiter.
Abends lasen Margot und Anne oft gegenseitig aus ihren Tagebüchern vor. Obwohl die beiden gut miteinander auskamen, fühlte Margot sich oft einsam, besonders als sich Anne in Peter van Pelz verliebte und von ihm ihren ersten Kuss bekam. Anne vermutete, dass auch Margot Gefühle für ihn hatte, doch Margot stritt dies ab. In einer kurzen Notiz an ihre Schwester schrieb sie:
„Ich finde es nur ein bisschen schade, dass ich noch niemanden gefunden habe, mit dem ich Gedanken und Gefühle teilen kann und das in absehbarer Zeit wohl auch nicht wahrscheinlich ist.“
Während Anne temperamentvoll war und ihre Meinung offen äußerte, galt Margot als ruhiger und besonnener. Das könnte der Grund gewesen sein, warum sie ein besseres Verhältnis zu ihrer Mutter hatte als Anne. Noch bevor die Familie untertauchte, hatte sich Margot, genau wie ihre Mutter, in der liberalen jüdischen Gemeinde in Amsterdam engagiert. Sie nahm Hebräischunterricht, besuchte regelmäßig die Synagoge und trat 1941 einem zionistischen Jugendclub bei, der eine Auswanderung nach Palästina plante, um dort einen jüdischen Staat aufzubauen.

Ab September 1942 verschärfte sich die Lage für untergetauchte Juden zunehmend. Spezialeinheiten niederländischer Kollaborateure begannen gezielt nach Verstecken zu suchen. Schätzungsweise 25 000 Juden tauchten in den Niederlandend unter. Zwei Drittel von ihnen überlebten, während ein Drittel verraten und entdeckt wurde.
Bis heute ist nicht bekannt, wie die Polizei das Versteck in der Prinzenkracht 263 entdeckte. Doch am vi August 1944 endete die Zeit im geheimen Anbau abrupt. Niederländische Polizisten, die Margot und die anderen verhafteten, wurden von dem österreichischen SSOffizier Karl Silberbauer angeführt. Zwei der Helfer wurden ebenfalls festgenommen. Einer von ihnen, Viktor Kugler, erinnerte sich daran, dass Margot während der Verhaftung still weinte.
Silberbauer konfiszierte Wertsachen und Geld und verstreute dabei auch Papiere und Notizbücher. Nachdem die verhafteten ins Gestapo Hauptquartier in Amsterdam gebracht worden waren, gelang es zwei Helfern einige der Dokumente zu sichern, darunter Annes Tagebuch. Margots Tagebuch jedoch ging verloren. Aus einem Amsterdammer Gefängnis wurden die Frans ins Durchgangslager Westerburg überführt. Dort landeten sie in den Strafbaracken und die Männer wurden von den Frauen getrennt. Otto musste tagsüber arbeiten, durfte sich aber abends mit Edit, Margot und Anne treffen.
Am 3. September 1944 wurden sie nach Auschwitz Birkenau deportiert. Ihr Zug war der letzte, der Westerburg in Richtung dieses Vernichtungslagers im besetzten Polen verließ. Die Zugreise dauerte drei qualvolle Tage, in denen Margot und über 1000 andere Menschen dicht getränkt in Viehwagons transportiert wurden. Es gab kaum Essen oder Wasser und als Toilette diente lediglich ein einziges Fass. Bei der Ankunft in Auschwitz selektierten SS-Ärzte, wer für Zwangsarbeit tauglich war und wer direkt in die Gaskammern geschickt wurde. Rund 350 Menschen aus Margot Transport wurden sofort ermordet.
Von den Juden, die zusammen mit den Franks nach Auschwitz deportiert wurden, überlebten nur 45 Männer und 82 Frauen. Während Otto ins Männerlager kam, wurden Edit, Margot und Anne ins Frauenlager gebracht. Magot mußte wie viele andere schwere körperliche Arbeit verrichten. Sie schnitt Gras Soden oder schleppte Steine. Überlebende beschrieben Margot Anne und ihre Mutter Edit als ein unzertrennliches Trio. Otto sollte sie nie wiedersehen.
In der Nacht vom 1. November 1944 wurden Margot und Anne in das Konzentrationslager Bergen Belsen verlegt. Ihre Mutter blieb in Auschwitz zurück, wo sie am 6. Januar 1945 an Entkräftung starb. Nur drei Wochen vor der Befreiung des Lagers durch die rote Armee. Die Zustände in Bergenbälsen waren katastrophal. Es gab kein Wasser zum Waschen und kaum genug zum Trinken oder Kochen. Zwischen Januar und März 1945 trafen immer mehr Häftlinge ein, viele nach tagelangen Todesmärschen. Ein Drittel von ihnen starb bereits auf dem Weg ins Lager.
Fast 80% der Überlebenden mussten mit Lastwagen vom Bahnhof abgeholt werden, da sie zu schwach waren, um zu laufen. Von 1900 ankommen Insassen waren über 500 bereits tot. Während dieser Todesmärche bekamen die Häftlinge kaum Nahrung und auch nach der Ankunft im völlig überfüllten Lager gab es fast nichts zu essen. In den eisigen Wintermonaten mussten viele auf dem Boden schlafen, dicht eininander gedrängt in sitzender Position.
Rund 200 Decken mussten unter Tausenden von Gefangenen geteilt werden. Hunger, Durst und die rasche Ausbreitung einer Tyfusepidemie forderten unzählige Opfer. Die durchschnittliche tägliche Sterberate lag zwischen 250 und 300 Menschen. Als Margott und Anne in Bergenbelsen ankamen, trafen sie einige niederländische Bekannte wieder. Durch deren Erinnerungen wissen wir heute, wie ihre letzten Wochen im Lager verliefen. Einer Freundin erzählte Anne, dass sie weder Essen noch warme Kleidung hatten.
Am nächsten Tag warf ihr die Freundin ein kleines Paket mit einem Keks, Socken und Handschuhen über den Stacheldrahtzaun. Doch eine andere Frau, die neben Anner stand, riss es an sich. Aus Hunger und Verzweiflung weigerte sie sich, es zurückzugeben. Erst einige Tage später gelang es an, ein weiteres Paket für sich und Margot zu ergöttern. Doch die unmenschlichen Bedingungen forderten ihren Tribut. Beide Schwestern erkrankten an Tyfus.
Eine andere niederländische Überlebende, Nanette Blitz, erinnerte sich an Anne als Karl geschoren, abgemagert und zitternd. Sie erzählte, dass Anne den Lebenswillen verloren hatte, weil sie glaubte, ihre Eltern seien tot. Ein weiterer Häftling berichtete später, dass Margot und Anne nur noch aus Haut und Knochen bestanden und unter der bitteren Kälte litten. Ihr Schlafplatz befand sich an der ungünstigsten Stelle der Baracke, direkt unten an der Tür. Die Überlebende erinnerte sich, dass sie ständig riefen:
„Mach die Tür zu, mach die Tür zu!“
Doch ihre Stimmen wurden mit jedem Tag schwächer. Gena Turgel, eine Überlebende, die im Lagerkrankenhaus arbeitete und den Schwestern half, erinnerte sich daran, dass Anne im Delirium fiebrig und in schrecklichem Zustand war. Sie brachte ihr Wasser, damit sie sich waschen konnte. Doch Margot und Anne überlebten Bergenbelsen nicht. Margot, die starke Schwächt war, starb, als sie aus ihrem Bett auf den kalten Steinboden fiel. Der Schock war tödlich. Anna starb kurz nach Margot.
Ihre Leichen wurden von Janny und Lean Brillsleer in eines der Massengräber des Lagers gelegt. Zwei niederländischen Jüdinnen, die die Schwestern bereits im Durchgangslager Westerwolk kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet hatten. Margot und Anne starben im Februar 1945 an Tyfus. Lange Zeit nahm man an, dass sie erst wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers am 15. April 1945 starben. Später ergaben jedoch Berichte von Überlebenden, dass sie vermutlich bereits im Februar ums Leben kamen.
Da Margots genaues Todesdatum unbekannt ist, war sie bei ihrem Tod entweder 18 oder 19 Jahre alt. Ihr Geburtstag fiel in denselben Monat, in dem sie starb. Anne war 15 Jahre alt. Margot und Anne gehören zu den Millionen von Opfern, die durch Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder in den Gaskammern der Nazis ermordet wurden. Nur eine Person aus dem Versteck überlebte. Otto Frank, Margots Vater. Er wurde am 27. Januar 1945 befreit, als die Rote Armee Auschwitz einnahm.
Auf dem Brückweg in die Niederlande erfuhr er, dass seine Frau Edit gestorben war. Doch er hoffte, dass Anne und Margot irgendwie überlebt hatten. Am 3. Juni 1945 kehrte er in das befreite Holland zurück, neun Tage vor Annes 16. Geburtstag. Doch einen Monat später wurde diese Hoffnung zerstört. Janni Brillesleiper, die zusammen mit ihrer Schwester Lien bis zum Ende bei Margot und Anne geblieben war, berichtete ihm vom Tod seiner Töchter. M Pres, eine der Helferinnen, überreichte ihm Annes Tagebuch.
Als er schließlich den Mut fand, es zu lesen, war er tief beeindruckt von Annas schriftstellerischem Talent. Er laß von ihrem Traum, Schriftstellerin und Journalistin zu werden und von ihrem Vorhaben ihre Erlebnisse nah dem Krieg zu veröffentlichen. Am Ende wurden zumindest Annes Worte gehört und die Welt erfuhr von ihrer Geschichte sowie der ihre Schwester Margot und der anderen Bewohner des Verstecks.
Die ersten 3000 Exemplare von Annes Buch, das Tagebuch der Anne Frank, wurden 1947 veröffentlicht. Seitdem wurde es in mehr als 70 Sprachen übersetzt. Menschen auf der ganzen Welt lernten Annes Geschichte kennen und 1960 wurde der Ort, der zwei Jahre lang das Zuhause von acht Menschen war, die versuchten den Grausamkeiten des Naziregimes zu entkommen, zu einem Museum, das Anne Frankhaus. Heute kann man das Haus besuchen, in dem Margot und Anne 761 Tage lang versteckt lebten. Man kann auch Annes Zimmer sehen, dessen Wände mit Postkarten und Bildern von Filmstars geschmückt waren, die Anne gesammelt hatte, sowie ihr originales Tagebuch und andere Manuskripte, die sie bis zu ihrer Verhaftung schrieb.
Heute wird sich an Margot Frank vor allem als Annes Schwester erinnert, für immer im Schatten von Anne. Wir können nur spekulieren, ob sie ebenso berühmt geworden wäre wie Anne, wenn ihr Tagebuch die Ratia im Versteck überlebt hätte. Als Margot 1945 im Konzentrationslager starb, war sie noch eine junge Frau. Sie musste nur sterben, weil sie Jüdin war. Der Holocaust darf niemals vergessen werden.
Das Andenken an Margot und Anne Frank, die beide zu Symbolen des Holocaust wurden, muss bewahrt werden. Ihr Schicksal mahnt uns, die Gefahren von Diskriminierung, Rassismus und Hass nicht zu unterschätzen, denn Geschichte wiederholt sich oft. Vielen Dank, dass du dir den World History Kanal angeschaut hast. Klick auf „Gefällt mir“, abonniere unseren Kanal und aktiviere die Benachrichtigungen, um keine Folge zu verpassen. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal auf unserem Kanal.



