Im August und September 2015 erreichte die Geschichte ihren Höhepunkt. Koper und Richter präsentierten Ergebnisse von Bodenradar-Untersuchungen, die angeblich klare, längliche Strukturen zeigten – in Form und Größe passend zu einem Zug. Besonders brisant war eine öffentliche Aussage des polnischen Vizekulturministers Piotr Żuchowski, der erklärte, er sei zu „99 Prozent sicher“, dass sich dort ein Zug befinde. Diese Worte wirkten wie ein Zündfunke. Innerhalb weniger Stunden explodierte das mediale Interesse.
Internationale Fernsehteams reisten nach Wałbrzych, Reporter belagerten die mutmaßliche Fundstelle, und das Internet füllte sich mit Spekulationen. War dies der größte Schatzfund Europas seit Jahrzehnten? Hatten die Nazis tatsächlich einen letzten verzweifelten Versuch unternommen, ihre geraubten Reichtümer zu verstecken?
Doch je größer die Erwartungen wurden, desto kritischer meldeten sich Experten zu Wort. Geologen, Bergbauingenieure und Historiker warnten davor, die Radaraufnahmen überzubewerten. Solche Messungen könnten auch natürliche Felsformationen, alte Industriebauten oder Schutt anzeigen. Ein Zug lasse sich daraus keineswegs eindeutig ableiten.
Im Dezember 2015 folgte schließlich eine offizielle Pressekonferenz. Fachleute erklärten, es gebe keinen belastbaren Beweis, dass an der bezeichneten Stelle ein Zug liege. Die Strukturen im Untergrund seien höchstwahrscheinlich geologischen Ursprungs oder Überreste früherer Bergbauaktivitäten. Die anfängliche Euphorie wich Ernüchterung.
Doch die Geschichte war damit nicht beendet. Koper und Richter gaben nicht auf. Sie betonten weiterhin, dass nur eine vollständige Ausgrabung endgültige Klarheit schaffen könne. In Wałbrzych selbst wuchs der Unmut. Viele Einwohner waren überzeugt, dass Behörden eine historische Sensation blockierten. Es kam zu Demonstrationen, bei denen Bürger forderten, selbst graben zu dürfen. Die Stimmung schwankte zwischen Hoffnung, Misstrauen und Enttäuschung.
Zusätzlichen Zündstoff lieferten britische Boulevardmedien, die über angebliche geheime Absprachen und neue Grabungsgenehmigungen spekulierten. Doch konkrete Arbeiten begannen nie. Mit der Zeit ebbte das internationale Interesse ab. Kamerateams zogen weiter, Schlagzeilen verschwanden, und der Wald bei Wałbrzych wurde wieder still.
Am Ende wurde kein Goldzug gefunden. Keine Kisten voller Gold, keine Kunstschätze, keine gepanzerten Waggons. Und doch hinterließ die Episode Spuren. Für einen kurzen Moment fühlte sich die Welt wie in einem Abenteuerfilm – eine moderne Schatzsuche, tief verwurzelt in den ungelösten Fragen des Zweiten Weltkriegs.
Der Nazi-Goldzug von Wałbrzych bleibt bis heute ein Mythos zwischen Geschichte und Legende. Vielleicht lag dort nie ein Zug. Vielleicht ruht irgendwo doch noch ein vergessenes Relikt jener chaotischen letzten Kriegstage. Sicher ist nur eines: 2015 zeigte, wie stark die Faszination für ungelöste Rätsel der Geschichte noch immer ist – und wie schnell ein Gerücht die Fantasie der ganzen Welt entfachen kann.