Der letzte Atemzug der ‚Bestien‘: Die grausame öffentliche Hinrichtung der sadistischen Aufseherinnen von Stutthof vor 200.000 Augen – Ein Theater des Grauens.H

Es ist der 1. September 1939. Mit dem Einmarsch Nazi-Deutschlands in Polen beginnt der Zweite Weltkrieg. Nachdem sie die polnische Armee besiegt haben, unterdrücken die Deutschen die Polen rücksichtslos, die sie als rassisch minderwertig ansehen. In den Wochen nach dem deutschen Angriff auf Polen erschießen die deutsche SS, Polizei und Militäreinheiten Tausende polnische Zivilisten, darunter viele Mitglieder des polnischen Adels, Klerus und der Intelligenzija. Die Nazis wollen die polnische Kultur und Nation zerstören und jeglichen Widerstand im Keim ersticken, indem sie Polen verhaften und ermorden.
Die Deutschen wollen, dass Polen ein endloser Vorrat an Zwangsarbeitern und der Ort für die Massenvernichtung des europäischen Judentums wird. Am 2. September 1939 errichten die Nazis das erste Konzentrationslager außerhalb der deutschen Grenzen im Zweiten Weltkrieg. Der Name des Lagers ist Stutthof. Nach dem Krieg wird das ehemalige Lagerpersonal für ihre Verbrechen mit ihrem eigenen Leben bezahlen, indem sie vor den Augen von 200.000 Menschen brutal hingerichtet werden. Diese Massenhinrichtungen werden von Pressefotografen festgehalten und gleichen einem Theater des Grauens.
Die Deutschen errichten das Konzentrationslager Stutthof in einem Waldstück westlich von Stutthof, einer Stadt etwa 35 km westlich von Danzig. Das ursprüngliche Lager, auch bekannt als das alte Lager, wurde 1940 errichtet und bestand aus acht Baracken für Häftlinge, umgeben von Stacheldrahtzaun. Das Lager wurde im Zuge der ethnischen Reinigung gebaut, der auch die polnische Elite, darunter Mitglieder der Intelligenzija sowie politische und religiöse Anführer, zum Opfer fielen. Schon vor dem Krieg hatten die Deutschen Listen erstellt mit Menschen, die verhaftet werden sollten, und die NS-Behörden sondierten heimlich Orte, die als Konzentrationslager dienen könnten.
Ursprünglich war Stutthof vor dem massiven Ausbau ein ziviles Internierungslager unter der Leitung des Danziger Polizeichefs. Im November 1941 wurde es ein sogenanntes Arbeitserziehungslager für politische Gefangene und Menschen, denen ein Verstoß gegen die Arbeitsmoral vorgeworfen wurde, und wurde vom SD, der deutschen Geheimpolizei, verwaltet. Schlussendlich wurde Stutthof im Januar 1942 ein reguläres Konzentrationslager unter der Leitung der SS.
1943 wurde das Lager erweitert und das neue Lager wurde neben dem ursprünglichen Lager errichtet. Es bestand aus 30 neuen Baracken und war von einem elektrifizierten Stacheldrahtzaun umgeben. Im Jahr 1943 kamen auch eine Gaskammer und ein Krematorium hinzu, genau zu dem Zeitpunkt, als die Massenhinrichtungen begannen und Stutthof im Juni 1944 Teil des Plans der sogenannten Endlösung wurde. Die maximale Auslastung der Gaskammer betrug 150 Menschen bei jeder Hinrichtung.

Schließlich wurde das Lagersystem Stutthof zu einem riesigen Netz an Zwangsarbeitslagern. 105 Nebenlager wurden im Norden und der Mitte des von Deutschland besetzten Polen errichtet. Zehntausende, vielleicht sogar Hunderttausende Menschen wurden in das Konzentrationslager Stutthof deportiert. Die Häftlinge waren vor allem nicht-jüdische Polen. Die Bedingungen im Lager waren grausam. Viele Häftlinge starben, als eine Typhusepidemie das Lager im Winter 1942 und erneut 1944 heimsuchte. Diejenigen, die die SS als zu schwach oder krank zum Arbeiten befand, wurden vergast.
Die Vergasungen mit Zyklon B begannen im Juni 1944. 4000 Gefangene, darunter jüdische Frauen und Kinder, wurden vor der Evakuierung des Lagers ermordet. Lagerärzte töteten kranke oder verletzte Häftlinge in der Krankenstation mit tödlichen Phenolinjektionen. Mehr als 60.000 Menschen starben im Konzentrationslager Stutthof und seinen Nebenlagern. Bis 1942 waren fast alle Häftlinge polnisch. Die Anzahl der Gefangenen stieg im Januar 1944 deutlich an und die Neuankömmlinge waren vor allem Juden. Die ersten 2500 jüdischen Gefangenen kamen im Juli 1944 aus Auschwitz. Insgesamt wurden 23.566 Juden, davon 21.817 Frauen, aus Auschwitz nach Stutthof deportiert.
Das Lagerpersonal bestand aus SS-Wachen und nach 1943 ukrainischen Hilfskräften. Im Juni 1944 begann die SS in Stutthof damit, Frauen aus Danzig und den umliegenden Städten als Lagerwachen auszubilden. Grund dafür war der Mangel an weiblichen Wachen nach der Errichtung eines Stutthof-Nebenlagers für Frauen namens Bromberg-Ost bei der Stadt Bydgoszcz.
Die Evakuierung der Gefangenen aus dem Lagersystem Stutthof in Nordpolen begann im Januar 1945. Als die Evakuierung begann, befanden sich beinah 50.000 Gefangene in den Stutthof-Lagern, die überwiegende Mehrheit von ihnen jüdisch. Etwa 5000 Häftlinge wurden an die Küste der Ostsee getrieben, ins Wasser gezwungen und erschossen. Der Rest der Gefangenen musste in Richtung Lauenburg in Ostdeutschland marschieren, aber sie wurden von vorrückenden sowjetischen Truppen abgeschnitten und die Deutschen ließen die überlebenden Häftlinge zurück nach Stutthof marschieren. Durch die Fußmärsche in den haarschen Bedingungen des Winters und die Misshandlungen durch die SS-Wachen starben Tausende bei diesen Märschen.
Ende April 1945 wurden die verbleibenden Häftlinge aus Stutthof über den Seeweg abtransportiert, da Stutthof an Land komplett von den sowjetischen Streitkräften umzingelt war. Wieder trieb man Hunderte Häftlinge ins Meer und erschoss sie. Man schätzt, dass 25.000 Häftlinge, also jeder Zweite, bei der Evakuierung von Stutthof und seinen Nebenlagern starb. Als die sowjetischen Streitkräfte Stutthof am 9. Mai 1945 befreiten, fanden sie nur noch etwa 100 Häftlinge, die sich bei der Evakuierung des Lagers verstecken konnten. Alles in allem durchliefen ungefähr 100.000 Gefangene das Lagersystem Stutthof. Mindestens 60.000 von ihnen wurden vernichtet. Weitere 22.000 wurden in andere Konzentrationslager verlegt.
Nach dem Krieg wurde das ehemalige Lagerpersonal von Stutthof im ersten Stutthof-Prozess angeklagt, der am 25. April 1946 begann. Unter den Angeklagten war Jenny Wanda Barkmann, eine Aufseherin von Stutthof, die Gefangene misshandelte und bekannt dafür war, die Insassinnen zu schlagen, mit der Peitsche oder bloßen Händen, einige davon zu Tode. Unter ihren Opfern waren auch Kinder. Während des Prozesses wirkte Barkmann nicht besonders um ihr Leben besorgt, sondern eher um ihr Aussehen. Sie trug modische Kleidung und jeden Tag eine andere Frisur und soll sogar mit den Gefängniswachen geflirtet haben.
Eine andere Angeklagte war Wanda Klaff, die für ihre brutale Behandlung der Häftlinge berüchtigt war. Sie schlug und trat sie ohne jeglichen Grund, bis sie reglos am Boden lagen. Wenn sie besonders schlechte Laune hatte, ertränkte sie die Gefangenen im Schlamm oder prügelte sie mit einem Knüppel zu Tode. Im Prozess sagte sie aus:
„Ich bin sehr intelligent und habe meine Arbeit in den Lagern mit Hingabe verrichtet. Ich habe jeden Tag mindestens zwei Häftlinge geschlagen.“
Mit dieser Aussage war sie vermutlich die Einzige, die so dachte. Eine weitere Angeklagte war Elisabeth Becker, die als rücksichtslose Aufseherin bekannt wurde. Sie misshandelte Gefangene und schlug Kinder mit ihren Müttern, die sie anschließend ohne Reue in die Gaskammern schickte, um sie zu ermorden. Angeklagt war auch die Aufseherin Eva Paradies, die in den eisigen Wintern Gruppen von weiblichen Gefangenen zwang, sich auszuziehen und im Schnee zu stehen. Dann goss sie kaltes Wasser über die nackten Frauen, und wenn sie sich bewegten, schlug sie sie.
Unter den fünf Stutthof-Aufseherinnen, die zum Tode verurteilt wurden, war auch Gerda Steinhoff. Sie war bekannt dafür, die weiblichen Gefangenen, darunter auch Kinder, zu Tode zu prügeln und führte Selektionen für die Gaskammern durch. Trotz der ernsten Anschuldigungen sollen die Frauen sich während des Verfahrens unverschämt verhalten, gekichert und gefeixet haben.
Als der Prozess am 31. Mai endete, wurden elf Angeklagte für Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode durch den Strang verurteilt. Unter ihnen waren die fünf erwähnten Frauen. Vier von ihnen weinten und bettelten um ihr Leben. Nur eine, Jenny Wanda Barkmann, blieb ganz ruhig. Ihre Hinrichtung fand öffentlich statt und wurde zu einem Theater des Grauens, das von offiziellen Pressefotografen aufgezeichnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nur drei Hinrichtungen von Kriegsverbrechern in Polen durchgeführt. Eine davon fand in Biskupia Górka bei Danzig statt.
Als am 4. Juli 1946 elf Naziverbrecher aus dem Konzentrationslager Stutthof an den Galgen gehängt wurden, schauten 200.000 Menschen zu. An diesem Tag erlebte der Hügel Biskupia Górka eine regelrechte Belagerung. Drei Tage zuvor hatten Zeitungen das Datum der Hinrichtung bekannt gegeben. Arbeitgeber kündigten einen freien Tag an und boten ihren Angestellten Transport zu dem Ereignis an. Jeder konnte kommen, um der Hinrichtung beizuwohnen. Die Sicherheitskräfte befürchteten, dass es jeden Moment zu Lynchmorden kommen könne, und die Miliz und Armee hatten Schwierigkeiten, diese riesige Menge zu kontrollieren.
Der 4. Juli war ein warmer Tag und die Sonne schien. Pünktlich um 17 Uhr brachten offene Lastwagen die Gefangenen zum Ort der Hinrichtung. Ihre Hände und Füße waren gefesselt. Auf der Ladefläche von jedem der elf Lastwagen stand ein Verurteilter, insgesamt sechs Männer und fünf Frauen. Die Trucks wurden unter den Galgen geparkt und die Verurteilten mussten sich auf Stühle stellen, auf denen sie zuvor gesessen hatten. Ehemalige Stutthof-Insassen in gestreiften Uniformen meldeten sich freiwillig als Henker und legten eine einfache Schlinge um den Hals der Verurteilten.
Die Hinrichtungen waren so geplant, dass die elf erhängten Häftlinge nach dem Vorwärtsfahren der Lastwagen nicht aus einer großen Höhe fielen. Das versicherte, dass die Schlingen ihnen das Genick nicht brachen und der sofortige Tod nicht eintraf. Diese Short-Drop-Methode führte bei jedem der Verbrecher zu einem qualvollen Tod durch Ersticken, der zwischen 10 und 20 Minuten andauerte. Als der Fahrer des ersten Lastwagens mit Johann Pauls auf der Ladefläche, dem ehemaligen Kommandanten der Aufseher in Stutthof, den Motor anließ und sich langsam vorwärts bewegte, gelang es Pauls, der schon am Seil hing, aber noch auf der Plattform stand, zu rufen:
„Heil Hitler!“
Gleich darauf ertönten Schimpfwörter aus der Publikumsmenge. Als kein Nerv an Pauls leblosem Körper mehr zuckte, erhielt ein anderer Lastwagen das Signal, sich in Bewegung zu setzen, und ein weiterer Verbrecher wurde zu dem von den Zuschauern genannten Seiltanz aufgefordert. Während die Lastwagen sich dem Galgen näherten, hatten die anderen Häftlinge die Gelegenheit, einen Blick auf das zu werfen, was sie in wenigen Augenblicken erwartete. Als ein Fahrer den Motor mehrmals nicht starten konnte, stieß einer der ehemaligen Häftlinge den Verurteilten einfach von der Plattform. Die Menschen in der Menge winkten im Jubel und riefen aus:
„Für unsere Männer, für unsere Kinder!“
Als auch der letzte Verurteilte starb, ließen die Sicherheitskräfte die Menge zu den Galgen. Die Menschen rissen Knöpfe und schnitten Stoffstücke ab und traten und schlugen auf die Leichen ein. Die versammelte Menge wurde schließlich aufgelöst und vom Platz gejagt und die Leichen von den Galgen entfernt. Es gab das Gerücht, die Leiche von Jenny Wanda Barkmann wäre eingeäschert worden und die Asche nach Hamburg gebracht, um sie in der Toilette der Wohnung, in der sie geboren wurde, zu entsorgen. Das ist jedoch nicht wahr. Stattdessen wurden die Leichen der Hingerichteten in die Medizinische Fakultät der Universität von Danzig gebracht, wo sie für den Anatomieunterricht verwendet wurden. Für die Nazi-Folterknechte von Stutthof wurden keine Tränen vergossen.




