Allein in den Trümmern des Warschauer Ghettos kämpft ein 11-jähriger jüdischer Junge ums Überleben – erzählt von einem Augenzeugen.H

Ich stellte mir oft vor, wie es wäre, wenn jemand käme und eine hohe Mauer direkt um unser Viertel bauen würde, sodass man nicht mehr rauskommt. Aber genau das hatten die Nazis mit uns gemacht. Niemand durfte nachts nach draußen. Es war so still, dass ich jemanden husten hören konnte, direkt von der anderen Seite des Ghettos. Alle hatten Angst.
Sogar mein Vater. Sogar mein Onkel tat so, als ob nichts wäre, aber ich spürte es. Jede Woche kamen die Nazis und nahmen mehr Leute mit. Sie nannten es Selektion. Man wusste nie, wann eine Selektion stattfinden würde oder wen sie als Nächstes mitnehmen würden. Es waren nicht mehr viele von uns übrig, nur die Gesunden, die arbeiten konnten. Wir Kinder mussten tagsüber besonders vorsichtig sein.
Nachts versteckte ich mich auf dem Dachboden, damit sie mich nicht finden konnten. Mein Onkel hatte mir ein Buch geschenkt, um mich abzulenken. Es hieß Robinson Crusoe.
Ich versuchte, mir Mut zuzusprechen: „Alex, komm schon, Alex, hab keine Angst. Niemand wird hier reinschauen.“
Draußen spielte ich manchmal mit den anderen Kindern, wir handelten mit Patronenhülsen. „Ich habe eine gefunden“, rief ich. „Ich gebe dir 30.“ „Nein, 40, Avrum“, handelte ich. „30, ab jetzt“, sagte er.
Wir begannen ein Versteckspiel. „Eins, zwei, drei, vier. Lucy, komm mit mir.“ Ich zählte weiter: „Fünf, sechs, sieben, acht, neun, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17…“
Doch dann hörte ich das gefürchtete Wort: „Selektion.“ Die Befehle hallten durch die Straße: „Selektion. Niemand geht weg, alle arbeiten weiter. Diesmal sind es Frauen und Kinder, Stefan.“
Ich hörte Stimmen, die nach mir suchten. „Wo ist Alex?“ „In der Vogelstraße, er spielt mit den Gryn-Kindern.“ „Alex, oh Alex.“ Jemand packte mich grob, und Avrum schrie: „Hör auf, Avrum. Du tust ihm weh, lass ihn in Ruhe. Du tust ihm weh, lass ihn in Ruhe.“
Wir versteckten uns oft im Bunker. Die Gespräche dort waren seltsam, geprägt von Hunger und Angst. „Hast du schon mal Dosenrattenfleisch gesehen? Komm runter, Avrum, es ist nicht sicher.“ „Komm schon, Alex, fang die stinkende Ratte selbst“, sagten sie zu mir.
Dann kamen die Befehle: „In Ordnung, aufstellen! Hey du da, halt, halt! Verstecken, Selektion, versteck dich da drin!“ Panik brach aus. „Alex, komm Alex! Komm schon Alex, lass die dumme Ratte! Alex, los! Alex, komm mit uns! Alex! Keine Zeit mehr!“
Ich rannte. Hinter mir hörte ich die Soldaten: „Hey, komm zurück, hey! Halt, schnappt sie euch! Hier ist nichts. Los, los!“ Ich flüsterte meiner weißen Maus zu, die ich gefunden hatte: „Keine Sorge, Snow, sie schicken ein Schiff, um uns abzuholen.“
Mein Vater kam zu mir, als ich fast eingeschlafen war. „Alex. Alex. Alex. Wie kannst du nur schlafen?“ „Ich wusste, dass du kommst. Ich wusste, dass du kommst“, sagte ich erleichtert.
Er sprach leise mit meinem Onkel. „Wir bringen ihn nicht mehr in die Fabrik. Die Fabrik ist sicher. Es gibt viele Wege raus. Ich passe auf ihn auf. Ich sorge dafür, dass es ihm gut geht. Außerdem brauche ich eine Beinablage.“
Es wurde entschieden, dass ich im Bunker bei der Familie Gryn bleiben sollte, was mir gar nicht gefiel. „Was ist mit den Augen von Frau Gryn? Was ist mit den Augen von Frau Gryn?“ fragte ich ängstlich. „Sie starrt.“ Mein Vater verteidigte mich: „Da, siehst du? Erwartest du, dass der Junge den ganzen Tag in einem dreckigen, klebrigen Keller bleibt mit jemandem, der nur starrt? Sie haben die Regeln geändert, Alex. Ab jetzt, wenn sie dich mit Kindern erwischen, bist du im nächsten Zug. Verstehst du? Gute Nacht.“
Ich erzählte ihm von Miriam. „Miriam hat mir gesagt, sie sagte, dieser Ort sei wie ein Ferienort.“ Mein Vater lachte bitter. „Miriam hat dir das erzählt? Wo sind dann die Postkarten aus diesem Ferienort? Wo sind die Briefe? Erinnerst du dich an deine Tante Angia? Sie konnte nicht pupsen, ohne jemandem einen Brief darüber zu schreiben.“
Onkel Boruch kam herein. „Hör zu, er hat sich rausgeschlichen. Was willst du?“ „Also, was machen sie mit diesen Leuten?“ fragte ich. „Ich weiß es nicht.“ „Ich weiß es auch nicht.“
Er zeigte auf einen Baum. „Hey, nimm mein altes Amulett vom Baum dort. Trag es immer bei dir. Es wird böse Geister vertreiben.“ „Auch Frau Gryn? Keine starrenden Augen mehr“, hoffte ich. „Danke, Onkel Boruch.“ „Erwähne es nicht mehr.“
Ich fühlte mich wie Robinson Crusoe. „Ich habe Schiffbruch erlitten. Kein Haus zum Wohnen, oder irgendein Essen oder Kleidung. Nachts dachte ich immer, ich würde von wilden Tieren gefressen.“
Die Stimmung im Bunker war angespannt. Jemand beschwerte sich über das Brot: „Manchmal bäckst du das Brot zu schwer, Stefan.“ „Sie töten uns“, flüsterte jemand. „Das weiß niemand“, entgegnete ein anderer. „Jetzt hast du keine Mesusa mehr zum Schutz. Vielleicht kommt Frau Gryn mit den starrenden Augen, um dich zu suchen.“
Ich versuchte, witzig zu sein: „Oh, ich lebe in der Hoffnung. Richtig.“ Ich sang ein kleines Lied: „♪ Frau Gryn, Frau Gryn ♪ Ich wusste nicht, dass es dich interessiert ♪ Als ich dich das erste Mal sah ♪ Alles was du tatest, war starren ♪ Frau Gryn, Frau Gryn ♪ Ich wusste nicht, dass es dich interessiert.“ „Kopf runter, du alter Narr“, schimpfte einer der Männer liebevoll.
„Dann kam meine Urgroßmutter“, erzählte ich weiter. „Deine Urgroßmutter. So eine Frau, wirklich beängstigend. Sie könnte Frau Gryn zum Frühstück essen, zu Mittag, zu Abend, und dann, pfft, die Knochen ausspucken.“
Dann entdeckte ich etwas. „Was, was ist das?“ „Eine Schlinge, wie du gesagt hast“, antwortete mein Onkel. „Eine Schlinge?“ „Ja, ja, das hier, das ist eine Schlinge, Alex. Wie oft habe ich dir das schon gesagt? Hier, das ist die Kurve. Hier ist Post für den Onkel.“
Es gab Ärger, weil ich in der Fabrik war. „Hmm, was haben wir da? Alex, ich habe dir gesagt, bring ihn nicht hierher. Das ist illegal. Außerdem gibt es alle möglichen grauen Ratten in dieser Fabrik und sie sind verrückt. Sie werden ihn töten und fressen, sobald sie ihn sehen.“ „Ich habe nur Angst um ihn“, sagte mein Vater.
Plötzlich waren die Deutschen da. „Oh, richtig. Du, Jude. Ja, du, komm her. Wie alt bist du?“ „59.“ „59, warum arbeitest du nicht?“ „Ich bin Lagerhalter.“ „Bring ihn auf den Lastwagen. Wie alt bist du, Jude?“ „59.“
Der Soldat wandte sich an andere. „Wie alt bist du? Wie alt bist du? Wie alt bist du?“ Mein Onkel versuchte, die Situation zu entschärfen, aber er war betrunken oder krank. „Ich danke den Stiefeln des deutschen Offiziers mit meinen bloßen Zähnen, nicht wahr? Überhaupt nicht lustig.“ „Ah, ich fühle mich besser, wenn ich meine Medizin nehme. Hör auf, Unsinn zu reden, alter Mann. Ich brauche Medizin“, murmelte er. Jemand sagte: „Das ist kein falsches Zeug. Das ist der beste russische Wodka. Frag mich nicht, wie viel ich dafür bezahlt habe.“
Am nächsten Tag sagte mein Vater: „Morgen solltest du mit Alex im Bunker bleiben.“ „Onkel, bleibst du mit mir im Bunker?“ fragte ich. „Ich habe zu tun. Sieht nach einer sehr minderwertigen Marke aus, weißt du? Ja, du hast recht, ich will nicht… Andererseits. Männer sollten niemals alleine trinken.“ Mein Vater mischte sich ein: „Der Junge hat recht. Ein feiner Gaumen wie deiner, du solltest dieses Zeug nicht anrühren.“
Mein Vater brachte mir bei, wie man schießt. „Ich werde mich opfern. Gut. Und jetzt atme gleichmäßig aus. Jetzt drück sanft ab. Hey, richtig.“ Die Waffe klemmte. „Die Kugel kommt nicht raus.“ „Klemme, das nennt man Klemme.“ „Wozu will er Schütze werden?“ fragte Onkel Boruch. „Ist der Krieg vorbei? Du solltest es mir sagen.“ „Ich werde auf ihn aufpassen, ich sorge dafür, dass es ihm gut geht“, versprach mein Vater. „Es ist keine schlechte Idee für einen jungen Mann, zu lernen, wie man eine Pistole schießt.“
Dann kam der Tag der Räumung. „Komm schon, raus, raus“, schrien sie. „Nein, nein, bitte! Nimm den Rest, zähl die anderen“, flehten die Leute. Mein Vater versteckte mich. „Warte hier. Warte. Die Leute da unten werden an Lungenentzündung sterben. Du wirst sicher sein, du kommst raus. Ja, in Ordnung.“ Jemand fragte nach Penicillin. Ich sagte leise: „Danke, Frau Gryn. Bis heute Abend.“
Ich war allein mit meiner Maus Snow. Ein anderer Junge, Yossi, sah sie. „Schau, Yossi“, sagte jemand. „Du darfst dieses schmutzige Ding nicht hier reinbringen.“ „Hast du Angst oder was?“ fragte ich. „Weißt du, was Mama gesagt hat?“ Ich ignorierte ihn und spielte mit Snow. „Hey, Yossi. Schau, Yossi. Such es, such es, Snow. Such es, such es. Roter Falke.“ „Alex, wie oft habe ich es dir gesagt? Es verbreitet Krankheiten. Leg es hierhin! Leg es hierhin. Alex! Alex! Er wird uns noch alle umbringen.“
Dann geschah es. „Was ist mit dem Signal passiert? Frau Gryn, sie wollte Snow töten.“ Mein Vater schüttelte mich. „Hör auf, Alex. Du fängst an, an deine eigene Geschichte zu glauben.“ „Tut mir leid“, sagte ich. „Wo ist der Nager?“ „Zu Hause.“ „Das ist der beste Ort. Los, mach weiter.“
„Was macht er hier? Ich habe dir gesagt, bleib im Bunker. Was ist los?“ herrschte mein Onkel meinen Vater an. „Sie räumen die Häuser. Sie sind überall!“ „Jemand hat geredet.“ „Raus.“
Ein Kollaborateur entdeckte uns. „Hallo! Jacob, richtig? Ich kenne deinen Vater.“ Mein Vater versuchte, mich zu schützen. „Beweg es weg. Ich nehme ihn mit. Nein, nein, wir machen immer noch nach Plan. Er kommt mit mir.“ Onkel Boruch drängte: „Hör zu, Stefan, ich will nicht streiten. Wir haben keine Zeit dafür. Du weißt, was du tun musst, richtig? Jetzt geh, auf Wiedersehen.“
Mein Vater gab mir seine Pistole. „Nimm das hier. Bleib bei deinem Onkel. Mach alles, was er sagt, richtig? Warte auf mich. Egal was passiert, ich komme zurück, um dich zu holen. Warte auf mich.“
„Sie schließen die Fabrik. Sie räumen das Ghetto. Diesmal seid ihr alle dran“, sagte der Onkel. „Viel Glück, Boruch. Der da, bringt ihn raus!“ Die Soldaten kamen. „Bewegung! Los geht’s.“
Mein Vater rief mir ein letztes Mal zu: „Jetzt denk dran, bleib weg von der Straße und warte, warte.“ „Wie lange?“ rief ich zurück. „So lange es dauert. Eine Stunde, vielleicht ein Tag, warte einfach. Dein Vater wird dich abholen, Alex, denk daran. Er wird dich abholen, denk daran. In Ordnung, in Ordnung, schau nicht zurück, lauf sofort! Oh, nein! Nein, geh zurück! Geh zurück! Nein, geh zurück! Zurück, in Ordnung, zurück. Alle zurück! Zurück! Komm her, komm her.“
Ich war allein. Ich versteckte mich in den Ruinen der Vogelstraße. „Pst! Snow. Snow. Snow. Snow. Snow. Snow! Snow? Snow? Snow?“ rief ich leise. Ich fand ihn. „Gerettet vor den Kannibalen“, dachte ich mir im Stil von Robinson Crusoe aus. „Mein Freitag kniete zu meinen Füßen nieder aus Dankbarkeit, dass ich ihn vor dem Kochtopf der Kannibalen gerettet hatte. Nach kurzer Zeit fing ich an, mit ihm zu reden und brachte ihm bei, wie man mit mir spricht. Ich ließ ihn wissen, dass sein Name Freitag sein muss, das war der Tag, an dem ich ihm das Leben rettete. Ich brachte ihm auch bei, ‚Meister‘ zu sagen und ließ ihn wissen, dass das mein Name sein würde. Verstehst du? Hör Meister Alex zu. Wir nennen das Brot. Leckeres Brot. Wir essen Brot. Magst du es? Tschüss, Snow. Such es, Snow, such es. Richtig, brav. Such es. Du bist sehr brav, Snow, sehr brav. Ich habe sie gefunden, sie gehören mir.“
Eines Tages kamen Plünderer. „Hau ab“, sagten sie. „Bitte, ich habe kein Essen“, flehte ich. „Hau ab. Das reicht, den Rest nicht. Vorsicht, wir sind bereit.“
Ich erinnerte mich an meinen Onkel und Vater. In meinem Kopf hörte ich sie. „Eine sehr minderwertige Marke. Männer sollten niemals alleine trinken. Oh, richtig.“ „Papa?“ rief ich in die Leere. „Alex, mein Sohn. Mein mutiger, mutiger Junge.“ „Ich wusste, dass du kommst, ich wusste es. Onkel Boruch, dir geht es gut!“ Aber es war nur Einbildung. „Wir brauchen mehr als das. Leoparden können nicht auf Bäume klettern“, erinnerte ich mich an ein Passwort. „Hör auf Onkel Boruch. Eines Tages wirst du reich und berühmt sein, genau wie er. Du musst dich opfern, denk dran. Papa? Papa?“
Später traf ich einen fremden Mann in den Ruinen. „Nimm das, lass das andere“, sagte er. „Was ist das?“ „Leoparden können nicht auf Bäume klettern“, sagte ich. „Ich habe nichts getan.“ Er misstraute mir. „Du kannst mir nicht trauen und ich kann dir auch nicht trauen. Wie heißt du?“ „Alex.“ „Was ist im Sack, Alex?“ „Seile.“ „Wofür?“ „Meinen Vater.“ Er lachte höhnisch. „Ha, was für ein Vater schickt sein Kind raus, um sein Leben zu riskieren. Er kann nicht selbst kommen. Du bist Jude, nicht wahr, Alex?“ „NEIN“, log ich. „Sag mir die Wahrheit.“ „Ich bin Pole. Der Herr sei mit euch.“ Er testete mich. „Und du sagst, hm? Zunge. Komm schon. Bedeutet Latein und auch deins.“ „Ich weiß, natürlich kann ich Latein.“ „Natürlich, du bist Pole und ein Überlebender. Jetzt geh, geh zu deinem Vater, geh, geh! Er ist ein Jude. Wirf dich einfach über die Mauer!“
Ich war wieder allein. Tag eins. Nur du und ich, und die Kannibalen. Ich beobachtete Deutsche. „Wo? Wie viele? Zwölf. Raus, raus, raus, raus, raus! Wir tun alles, was ihr sagt! Raus, raus, raus, raus, raus!“
Ich hörte Schüsse und fand einen verwundeten Mann. Es war ein Widerstandskämpfer. „Henryk, Henryk. Wer hat ihn erschossen?“ fragte er sich selbst im Delirium. „Ich“, sagte ich mutig, obwohl ich es nicht war, oder vielleicht meinte ich den deutschen Soldaten, den ich gesehen hatte. „Oh mein Gott. Freddy, Freddy!“ rief er. „Leg dich hin. Komm schon, komm schon. Du hast alles gut gemacht“, beruhigte ich ihn.
Er sah meine Waffe. „Hast du noch mehr Munition dafür? Nimm es, es gehört dir, oder? NEIN? Was ist das? Hallo. Wie heißt du?“ „Snow“, antwortete ich und zeigte auf die Maus. „Snow, weil er weiß wie Schnee ist? Bist du okay?“ „Ich habe ihn getötet. Ich wollte es nicht“, gestand ich über den Soldaten. „Hey, hey, hey. Was machst du hier ganz allein?“ „Ich warte auf meinen Vater.“ „Wie lange ist dein Vater schon weg, Alex?“ „36 Tage.“ „Freddy!“ rief er wieder nach seinem Kameraden.
Ich gab ihm Wasser. „Ein bisschen Wasser. Entspann dich. Das führt zur anderen Seite. Ich werde den polnischen Untergrund kontaktieren. Ich denke, ein Priester kann uns helfen. Dann gehe ich ihn suchen, in Ordnung? Sei vorsichtig auf dem Heimweg. Stell sicher, dass Henryk genug Wasser trinkt, keinen Champagner. Ich sehe dich in ein paar Stunden.“ Er halluzinierte. „Freddy! Entschuldigung, ich musste es tun. Du hast zu viel Lärm gemacht.“
Ich musste Hilfe holen und schlich mich auf die polnische Seite. „Hey, Kumpel! Danke dir, tschüss Liebling. Ja, gib mir zwei große Laibe Brot.“ Eine Frau sagte zu mir: „Du musst reich sein, um so mit Geld um dich zu werfen. Tschüss, Frau Studjinsky. Tschüss, Stasya.“
Ich fand einen Arzt. „Ja? Hallo, sind Sie Arzt?“ „Stimmt etwas nicht mit dir?“ fragte er. „Es ist schwer, hier zu erklären.“ „Wie kann ich dir helfen? Bist du krank?“ „Nicht ich, er ist mein Freund.“
Er war vorsichtig. „Die Behörden betonen, bei allem Verdächtigen genau hinzuhören. Doktor Studjinsky. Ich sehe dich Schach spielen. Hallo? Telefongespräch durch das Fenster. Hallo?“ Endlich hörte er mir zu. „Wie hast du den Weg raus gefunden?“ „Freddy hat ihn mir gezeigt. Er ist noch nicht zurückgekommen. Freunde des Priesters.“ „Rede nicht so viel. Er muss diese Dinge nicht wissen.“ „Natürlich muss er“, beharrte ich. „Hast du das Dosenrindfleisch reingetan? Ja, ja. Wir sorgen dafür, dass dein Freund wieder gesund wird. Hallo, Doktor Studjinski. Stasya.“
Ich traf seine Tochter Stasya im Treppenhaus. „Geh nicht über die Treppe, das bringt Unglück. Oh, hallo nochmal. Ich habe dich zuerst nicht erkannt.“ Der Arzt drängte mich. „Komm, Alex. Was weiß das Mädchen über dich?“ „Nichts, ich verspreche es.“ Wir mussten durch einen Lüftungsschacht oder eine Luke. „Ich kann da nicht hochklettern!“ rief der Arzt. „Ich trage die Tasche für dich. Sie kann dein Gewicht halten.“
Er behandelte den Mann, aber er war besorgt. „Nun, deine Behandlung, ich werde versuchen, mehr zu besorgen, aber das Geld ist auf dem Schwarzmarkt sehr viel. Wenn sich sein Zustand verschlechtert, muss er zu mir kommen. Ich kann das Risiko nicht eingehen. Jetzt nimm es. Viele Leute verlassen sich auf mich, verstehst du? Viele Leute.“
Draußen gab es Ärger mit anderen Kindern. „Zurück. Zurück! Was glaubst du, was du tust? Wer bist du dann? Das ist der kleine Zackenbarsch. Er gehört mir, komm her, kleiner Fisch.“ Ein Mädchen verteidigte mich: „Komm schon Alex, wir hätten schon längst zu Hause sein sollen. Kommst du oder nicht? Mutter Macierz wird uns töten. Du weißt, wie sehr sie es hasst, wenn wir zu spät kommen.“ Die Jungen riefen ihr nach: „Der Juden-Liebhaber, sie ist ein Juden-Liebhaber!“ „Danke“, sagte ich zu ihr. „Kein Problem. Du bist nicht von hier, oder?“ „Nein, musste mit dem Boot herkommen. Raue See, Haie“, erfand ich eine Geschichte. „Gehst du am Sonntag in den Park?“ „Ja.“ „Kennst du das kleine Haus? Vier Uhr? Tschüss. Tschüss. Hoffe, dein Boot sinkt nicht.“
Zurück im Versteck ging es dem Widerstandskämpfer besser. „Dir geht es besser“, stellte ich fest. „Wo ist Freddy?“ „Er ist Hilfe holen gegangen.“ „Wie lange?“ „Vor 10 Tagen.“ Ich erzählte ihm von Freddy, wie ich es mir vorstellte: „Er hat ein Baumhaus gebaut. Er hat eine Strickleiter am Strand gefunden. Er hat dort lange gelebt. Er hat sich seine eigenen Waffen gebaut. Ja. Er hat Sachen zum Essen gefangen. Dann hat er Mann Freitag gerettet. Aber das ist nur die Geschichte eines Jungen.“ Der Mann lächelte schwach. „Vielleicht kann er noch ein oder zwei Wochen leben.“ „Er kann ewig leben, wenn er muss, wenn niemand kommt, um ihn zu retten“, sagte ich trotzig. „In Ordnung, in Ordnung, ich gebe auf. Hey, ich sollte besser nach Hause gehen.“ „Ich auch, Papa wird sich fragen, wo ich bin. Sehen wir uns morgen hier?“ „In Ordnung. Dann tschüss.“ „Tschüss.“
Ich spielte wieder mit Snow. „Komm, Snow, hol es. Such es weiter. Such es. Guter Junge. Ich weiß nicht, welche. Du siehst aus wie ein Wissenschaftler. Jetzt siehst du aus wie ein Juwelier.“
Ich fand den Widerstandskämpfer wieder, er las Zeitung. „Oh, hallo junger Mann. Was hast du da? Oh, ich denke, das ist der Platz. Hier steht, dass bald Krieg ist.“ „Nicht lustig“, sagte ich. „Letzte Dosis“, sagte er. „Ich sage dir was, ich brauche was Anständiges zu essen. Ich könnte was gebrauchen, das mir auf die Beine hilft, was Anständiges. Ich denke an Steak und Pommes. Jetzt hol mir was Anständiges zu essen oder ich esse deine verdammte Ratte. Was starrst du die ganze Zeit an? Hier steht…“ „Pst, ich lese“, unterbrach ich ihn und las aus meinem Buch vor. „Dinnerpartys sind die formellste aller Arten der Unterhaltung heutzutage. Als Freitag und ich im Lager der Kannibalen ankamen, gefror mir das Blut in den Adern vor dem Horror, den ich sah.“ Er spielte mit: „Deine Gäste sollten nicht zu nah beieinander sitzen.“ Ich las weiter: „Eine seltsame Stille lag über dem Zelt. Kein Zeichen von irgendwelchen Bewohnern.“ „Ich arrangierte meine Gäste so um den Tisch, dass…“ „Ihre Knochen waren überall verstreut, zusammen mit Schädeln und Menschenfleisch.“ „Ich entschied, dass ein Drei-Gänge-Menü in Ordnung wäre, ich…“ „Ich drehte mich um und sah einen Kannibalen, der auf mich schoss mit…“ „Früchten und vielen Käsesorten“, beendete er den Satz lachend. „Was machst du da? Ich muss raus.“
„Das geht nicht, du kommst niemals diese Strickleiter runter“, warnte ich. „Ich muss einen Mann treffen.“ „Ich gehe, ich schaffe das. Ich kann ihn finden.“
Ich traf mich mit dem Kontaktmann. „Wie ist dein Latein? Sehr gut. Denkst du, du kannst noch was lernen? Du bist gekommen, um deine Sünden zu beichten. Was genau bedeutet das?“ „Ich weiß nicht.“ „Alex, das Kind, das überlebt hat. Wie kann ich dir helfen, Alex? Der Priester sagte, dass die Mauern des Ghettos jeden Moment fallen.“ „Die Mauern fallen und die Polen ziehen ein? All diese schönen Wohnungen sind kostenlos. Aber der Krieg geht weiter. Ich denke, du solltest mit mir kommen.“
Er redete seltsames Zeug über die Zukunft. „Viele Kinder wie diese werden so fett, dass sie ins All treiben. Viele Dinge wie diese werden so dünn, dass sie in den Abfluss treiben. Viele wie diese werden als Flöhe wiedergeboren und zerquetscht. Willst du nicht wissen, wie viele Kinder du haben wirst?“ „Wie viele? Wie viele?“ „Ich sage es dir nicht. Du musst es selbst herausfinden. Ein Vater will nicht, dass sein Sohn eine Leiche ist. Ich will keine Leiche als Freund. Dieser Ort ist erledigt. Es wird in ein paar Tagen voll von polnischen Soldaten und deutschen Soldaten sein. Sieh es ein.“
Er sah mich ernst an. „Alex, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dein Vater nie zurückkommt.“ „Dann ist es in Ordnung, oder?“ sagte ich trotzig. „Er kann seine eigenen Entscheidungen treffen. Deine Zukunft wartet auf dich. Viel Glück.“
Auf dem Rückweg rief mir jemand nach: „Hey, warte, du kleiner Zackenbarsch! Das Zurückkommen! Hey, Judenfisch, komm her.“ Ich wich zurück. „Entschuldigung, ich war’s nicht. Ich habe das nicht getan. Bitte, es tut mir leid.“ „Halt!“ „Gestapo, lauf! Beeilung“, hörte ich Warnrufe.
Ich besuchte Stasya und ihre Mutter noch einmal. „Kann ich reinkommen?“ fragte ich. Stasya fragte mich: „Wie ist es, in einer Wohnung zu leben?“ „Wie in einem Schrank.“ „Du lebst in einem Schrank?“ „Ja, eigentlich unter dem Schrank, aber ich habe ein Bett, einen Kocher und alles, was ich brauche. Und eigentlich ist es okay.“
Ihre Mutter kam herein. „Morgen gehen wir.“ „Weggehen?“ „Wir gehen zum Haus meines Onkels auf dem Land.“ „Stasya?“ „Schon gut, es ist meine Mutter.“ Sie sah mich an. „Du darfst die Ausgangssperre nicht verpassen. Es ist am besten, wenn du über Nacht bleibst. Du musst allerdings morgens früh aufstehen.“ „Kann er mit uns kommen, Mama?“ fragte Stasya. „Genug, Stasya. Bitte deck den Tisch.“ „Danke“, flüsterte ich. Die Mutter wurde weicher. „Du kannst mit uns kommen, wenn du willst. Wir hinterlassen eine Nachricht für deinen Vater. Wir sorgen dafür, dass er weiß, wo er dich findet.“
Ich dachte darüber nach, aber ich konnte nicht. Ich musste warten. „Ich wollte nur gute Nacht sagen. Bis morgen.“ „Kommst du mit uns?“ „Gute Nacht.“ „Gute Nacht.“
Dann begannen die Deutschen, das Ghetto endgültig zu zerstören. „Hey, los, hey, los! Reißt es ab, lasst keine Juden auftauchen. Reißt es ab, die Juden sind weg. Beeilung! Eugene, raus sofort. Entschuldigung, Papa. Geh, raus, es ist sehr gefährlich hier. In Ordnung, schließt diesen Bereich, bevor jemand getötet wird.“
Ich rannte zurück zu meiner Ruine. Aber es war zu spät für Snow. „Snow. Wach auf, Snow. Snow. Hör auf! Snow.“ Er bewegte sich nicht mehr. „Tschüss, Snow.“
Ich saß da, völlig allein, inmitten der Trümmer. Und dann hörte ich meinen Namen. „Alex. Alex. Alex?“ Ich drehte mich um. Ein Mann stand dort, dreckig und erschöpft. „Papa? Bist du echt?“ „Ja, ich bin echt.“
Ich fiel ihm in die Arme. „Ich wusste, dass du kommst. Zuerst schien es wie eine Fata Morgana. Ein seltsames Glitzern am Horizont. Aber nach und nach, Stück für Stück, kam es näher und wurde klarer. Und dann war es das schönste Schiff, die Segel voll im Wind, mit all den wehenden Fahnen. Es kam zu meiner Insel, um mich zu retten. Es würde mich nach Hause bringen.“




