Es ist das Jahr 1945. Viele Teile der Welt befinden sich noch immer im Krieg. Ein Krieg, der bereits Millionen Menschen das Leben gekostet hat und der von einem Mann entfesselt wurde, Adolf Hitler. Schon zu Beginn des Jahres deutete sich an, dass Deutschland den Krieg verlieren würde und im April, als Berlin Schritt für Schritt von den Sowjets eingenommen wurde, warteten Menschen überall auf der Welt auf eine einzige Nachricht und zwar auf die Worte: „Adolf Hitler ist tot.“
Doch als die Nachricht endlich kam, jubelten die Menschen zwar zunächst auf den Straßen, doch von Hitler selber fehlte jede Spur. Er wurde weder gefangen genommen, noch konnte man wenigstens seine Leiche bergen. Er war einfach nur nicht mehr da. Und genau das sorgte damals für eine riesige Welle von Verschwörungstheorien, die teilweise selbst heute nicht ganz abgerissen ist.
Was wäre, wenn der angebliche Tod im Bunker nur ein Ablenkungsmanöver war?
Denn damals stellte sich die halbe Welt die Frage, was ist, wenn Hitler doch entkommen war? Die Spekulationen waren damals so groß geworden, dass sich tatsächlich sogar die amerikanischen Geheimdienste mit der Frage auseinandersetzten, ob Hitler nicht vielleicht doch geflohen ist und zwar nach Argentinien. Wir stellen euch heute die verrückte Suche des FBI in Argentinien vor, denn tatsächlich veröffentlichte die amerikanische Bundespolizei vor über 10 Jahren sämtliche Unterlagen, die die Behörde gesammelt hat, über Hitlers Flucht nach Argentinien. Das, was Sie dabei fanden, war nicht nur ungewöhnlich, sondern befeuerte auch den Mythos darum, dass Hitler tatsächlich überlebt haben könnte. In den veröffentlichten Akten geht es um geheime deutsche U-Bootlandung an der Küste Patagoniens, um versteckte Naziranches in den Anden und es werden unzählige Zeugen aufgeführt, die schwören, dem Führer persönlich begegnet zu sein, Jahre nach seinem angeblichen Tod im Führerbunker.
Aber kommen wir noch mal zurück zum April 1945. Genauer gesagt zum 30. April 1945. Berlin lag in Schutt und Asche und im Führerbunker beging Adolf Hitler Selbstmord. Seine Leiche wurde verbrannt. Das ist zumindest die offizielle Version, die wir alle kennen. Doch diese Version konnte in dem Jahr noch kaum jemand. Die einzigen, die wirklich wussten, was mit Hitler passiert war, waren neben den anwesenden Nazis, nämlich die Sowjets. Diese fanden tatsächlich Überreste von Hitlers Leiche in Berlin. Doch das erklärten die Sowjets nicht öffentlich. Zwar wurde erst angegeben, man habe Hitlers Körper entdeckt, doch einige Zeit später dementierten die Sowjets, dass die Leiche gefunden wurde. Richtig Auftrieb bekamen die Spekulationen dann durch eine Aussage des damals mächtigsten Mannes der Sowjetunion, Josef Stalin.
Denn auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 fragte ein US-Beamter Josef Stalin direkt nach Hitlers Schicksal. Stalin antwortete darauf einfach eiskalt: „Hitler sei am Leben und er sei nach Argentinien geflohen.“ Stalin versuchte mit dieser einen Aussage die Geschichte quasi umzuschreiben. Hitler war nicht tot. Hitler existiert noch. Und was Stalin damit auch sagte, war: „Der Faschismus ist nicht tot und wir müssen ihn weiterhin bekämpfen.“ Denn der sowjetische Diktator profitierte davon, wenn Hitler überlebt hätte. Solange nämlich die Bedrohung durch den Faschismus theoretisch weiterbestand, konnte Stalin nämlich die massive militärische Präsenz der Roten Armee in den besetzten Ostgebieten rechtfertigen.
Aber wieso sagte Stalin, dass Hitler ausgerechnet nach Argentinien geflohen sei? Die Antwort darauf macht das Ganze erschreckend plausibel. Nach dem Krieg wurde Argentinien unter Präsident Juan Perón zum sicheren Hafen für tausende von Nazis. Über geheime Fluchtrouten, die sogenannten Rattenlinien, setzten sich tatsächlich unzählige deutsche Kriegsverbrecher nach Südamerika ab. Die prominentesten von ihnen waren Adolf Eichmann, der Organisator des Holocaust, oder Josef Mengele, der Todesengel von Auschwitz. Ihre bewiesene Flucht sorgte dafür, dass es nur logisch schien zu denken: „Wenn es Männer wie Eichmann und Mengele geschafft haben, warum dann nicht auch ihr Anführer?“ Argentinien war quasi ein Naziexil, in dem sich auch Hitler perfekt hätte aufhalten können.
Und genau deswegen begann auch dort die jahrelange Suche nach Adolf Hitler, denn die Gerüchte über Hitlers erfolgreiche Flucht nach Argentinien wurden schließlich so laut, dass die Geheimdienste tatsächlich begannen, ihre Ermittlung einzuleiten. Dabei ging der OSS, der Vorläufer der CIA, sowie das FBI einigen Hinweisen nach und zwar mit Hilfe von Agenten in Südamerika. Dabei war unter anderem auch der FBI-Chef J. Edgar Hoover involviert. Doch dieser zeigte sich sehr skeptisch, dass irgendetwas gefunden wird. Doch die Sowjets verunsicherten die Amerikaner mit ihren Aussagen und für die USA war klar, man muss der Spur in Argentinien nachgehen. Die Suche nach Hitler war allerdings leichter als zunächst gedacht, denn an Hinweisen mangelte es dem FBI überhaupt nicht.
Schon in den Monaten nach Hitlers Tod wurden sie mit Zeugenberichten nur so überschwemmt. Eine Geschichte, die ein Informant dem Geheimdienst erzählte, hielten die Agenten eine Weile tatsächlich für die plausibelste. Und die Geschichte ist wirklich filmreif. So berichtete der Informant von einem Treffen in einem Restaurant in Hollywood. Dort hat ihm ein Mann namens Jack etwas Unglaubliches anvertraut. Jack sei einer von vier Männern gewesen, die zweieinhalb Wochen nach dem Fall Berlins an der abgelegenen Küste Argentiniens eine geheime Operation durchführten. Zwei deutsche U-Boote seien dort aufgetaucht. An Bord waren Adolf Hitler, Eva Braun und eine Gruppe von etwa 50 hochrangigen Nazis. Der Informant beschrieb Hitler sogar mit rasiertem Bart und dass er offensichtlich an Asthma und Geschwüren litt. Jack und seine Komplizen hätten die Gruppe in Empfang genommen. Zu Pferd seien sie dann tagelang ins Landesinnere geritten, zu einer versteckten Ranch am Fuße der Anden. Ein sicheres Versteck, organisiert von sechs argentinischen Offizieren.
Tatsächlich nahm das FBI diese Hinweise sogar ernst. Agenten observierten nicht nur das echte Restaurant, sondern durchforsteten auch Polizei- und Einwanderungsakten. Doch es gab kein Ergebnis, weder für Jack noch für irgendwelche Spuren dafür, dass das U-Boot in Argentinien angekommen sei. Allerdings stellte das FBI auch fest, dass im Juli und August 1945 tatsächlich zwei deutsche U-Boote vor der argentinischen Küste auftauchten. Die Ankunft der U-530 und U-977 verbreitete sich schnell in den Medien und wurde eine kleine Weltsensation, denn erstmalig erfuhren viele Menschen, dass einige der wichtigsten Nazis scheinbar überlebt hatten.
Und viele fragten sich: „War Hitler hier auch an Bord?“ Die Amerikaner schickten mit dem ONI, dem Marinegeheimdienst des Landes, Experten nach Argentinien, die die Kapitäne sowie die gesamte Besatzung wochenlang verhörten. Jeder Mann wurde intensiv befragt, wie sich das damalige Besatzungsmitglied Rudolf Neuwirth noch 75 Jahre später genau erinnerte: „Der Amerikaner, die gestern von Hitler, das war Hitler und von der Geheimpläne, was soll man mir sagen, ob man nichts wen.“ Doch obwohl der Geheimdienst alle Menschen unabhängig voneinander befragte, kamen von allen Mitgliedern dieselben Antworten und die Agenten des ONI waren sicher: Hitler und andere hochrangige Nazis waren nicht an Bord. Die ganze Aktion wurde von den Nazikapitänen Otto Wermuth und Heinz Schäffer durchgeführt, die einfach gemeinsam mit ihrer Crew fliehen wollten und dafür übrigens unfassbare 66 Tage unter Wasser unterwegs waren.
Doch der OSS und das FBI sollten einen Hinweis erhalten, der sich von den anderen eher spekulativen stark unterscheiden sollte, denn er kam von jemandem, der tatsächlich Beziehungen zu hochrangigen Nazis unterhielt und zwar Oma Nanolchon. Sie war nicht nur Halbeutsche und Besitzerin eines großen Kurhotels im argentinischen La Falda. Sie galt auch als glühende Hitlerverehrerin und soll ihm und der NSDAP schon vor dem Krieg viel Geld für Propaganda gespendet haben. Der Bericht behauptete, sie habe in ihrem Hotel eine luxuriöse, sichere Zuflucht für Hitler vorbereitet, komplett mit allem Komfort für den Fall, dass er fliehen müsste. Ein quasi perfektes Versteck in den Bergen.
Der Bericht wurde auch an das FBI weitergeleitet, doch dieser konnte davon nichts verifizieren. Bis heute steht diese Geschichte in den Akten auf der Website des FBI, allerdings mit dem Hinweis, dass nie geprüft werden konnte, ob das Versteck wirklich existiert hat. Es gab auch einen ganz konkreten Grund dafür, dass das FBI schnell aufhörte, die Meldung überhaupt noch zu prüfen, denn parallel befragten die Amerikaner auch gefangene Nazis zu den Vorfällen im Führerbunker: „Von mir aus gesehen links Hitler und zwar in der rechten Sofaecke und es war an der rechten Schläfe eine Einschussstelle zu sehen.“ Und hierbei erkannten sie relativ schnell, dass Hitler dort gestorben sein muss. Die Geschichten der Nazis im Bunker deckten sich teilweise mit den Geschichten der Sowjets und es war klar, Hitler selbst konnte nicht nach Argentinien geflohen sein.
Doch für viele in der Bevölkerung war diese Tatsache alles andere als klar. Und so erhielt das FBI nicht nur ständig weiterhin Einsendung über Hitlersichtung, es entstand sogar eine kleine Industrie um Hitlers Flucht nach Argentinien. So erschienen Bücher wie etwa „Grey Wolf“ oder „Hitler überlebte in Argentinien“, in denen Autoren dann ein detailliertes Bild von Hitlers angeblichem Leben im Exil malen. Sie präsentieren angebliche Augenzeugen, zweifelhafte Fotos von Hitler und neu entdeckte Beweise. Zudem gab es auch unzählige reißerische TV-Sendungen zu dem Thema, darunter sogar eine Dokuserie namens „Hunting Hitler“ mit ganzen drei Staffeln.
In „Hunting Hitler“ ging der History Channel ziemlich weit, denn dort setzten sich angebliche Historiker sogar mit den veröffentlichten FBI-Akten auseinander. Aber nicht, um anzuerkennen, dass vieles nur spekulativ war. Sie gingen in der TV-Show sogar zahlreichen Spuren nach und erklärten sogar, dass sie angeblich auf Naziverstecke gestoßen seien. So wurde in der Sendung zum Beispiel behauptet, dass man sogar unter dem Führerbunker einen unbekannten neuen Geheimtunnel entdeckt hat, durch den Hitler angeblich geflohen sei. Vieles, was in der Sendung erzählt wurde, erklärten Historiker letztendlich als wilde Spekulation ohne echten Hintergrund. Trotzdem befeuerte die Sendung weiterhin den Mythos, dass Hitler tatsächlich überlebt haben könnte.
Tatsächlich gibt es noch bis heute Menschen, die glauben, dass Adolf Hitler damals die Flucht nach Argentinien gelang. Häufig beziehen sie sich dabei auf die Akten, die das FBI nach Jahrzehnten veröffentlichte: „Das gab’s ja auf der FBI.gov-Seite, auf der offiziellen fucking FBI-Seite. Jeder, den ich es damals gezeigt habe, der hat mir vorher nicht geglaubt. Ich meinte, guck mal, das steht auf deren Seite drauf. Guck’s dir selber an.“ Aber was genau verraten uns die FBI-Akten am Ende wirklich? Die FBI-Akten sind zwar echt, aber sie sind eigentlich nur eine Sammlung von spekulativen Erzählungen, die der Geheimdienst nie selber bestätigen konnte. Selbst die plausibelsten Theorien wie die Einrichtung von Fluchträumen im Hotel oder der Ankunft Hitlers im U-Boot wurden klar widerlegt.
Und da auch die Beweise für den Führerbunker-Tod immer klarer wurden, wussten die Amerikaner schon früh, was eigentlich wirklich passiert war. Aber was ist denn eure Meinung dazu? Hättet ihr gedacht, dass sich tatsächlich mal Geheimdienste mit dem Thema von Hitlers Flucht beschäftigt haben? Und wäre es eurer Meinung nach überhaupt möglich gewesen, dass Hitler aus dem umkämpften Berlin völlig unbemerkt bis nach Argentinien fliehen konnte, ohne dass es selbst bis heute irgendjemand mitbekommen hätte? Lasst es uns mal in den Kommentaren wissen und wir sehen uns dann das nächste Mal hier bei Wissenswert. Macht’s gut.




