
Wir schreiben das Jahr 1938, ein lauer Sommertag im Nordosten Chinas. Auf dem Gelände von Einheit 731 sind etliche Wissenschaftler und Mediziner in ihre Forschung vertieft. Der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu, sie genießen ihren Feierabend bei einem kühlen Bier am Pool der Anlage. Die Menschen in den angrenzenden Baracken bekommen von alldem nichts mit. Sie wissen nicht, ob es draußen hell oder dunkel ist, sie haben längst kein Zeitgefühl mehr. Sie wissen nur eines: In Kürze erwartet sie ein qualvoller Tod.
Japan, Mitte der 1920er: Die Schrecken des Ersten Weltkriegs sind vorbei. Das Land hat an der Seite der siegreichen Alliierten gekämpft und erlebt seitdem einen starken Wirtschaftsaufschwung. Das von Kaiser Taisho regierte Reich ist Teil des 1920 gegründeten Völkerbunds. Das Land pflegt stabile internationale Beziehungen und beteiligt sich an den Verhandlungen zur Abrüstung – all das, um einen Beitrag zur Sicherung des Weltfriedens zu leisten.
Dafür unterzeichnet Japan in der Schweiz ein historisches Abkommen: Im Genfer Protokoll von 1925 verpflichten sich die Vertragspartner, bakteriologische Kriegsmittel zu verbieten. Das Biowaffenverbot ist eine Reaktion auf ein Ereignis im Ersten Weltkrieg: Im April 1915 haben deutsche Truppen erstmals systematisch Giftgas als chemische Waffe eingesetzt. Die Folgen waren so schrecklich, dass sich die 36 Erstunterzeichner des Genfer Protokolls einig sind: So etwas darf nie wieder passieren.
Knapp 10.000 km östlich von der Schweiz liest ein junger japanischer Militärarzt einen Bericht über das Abkommen. Er ist regelrecht euphorisch. Für ihn bestätigt die Genfer Konvention eine Theorie, die ihn seit längerem beschäftigt: Wenn die Welt so große Angst vor biologischen Waffen hat, muss ihr Potenzial gewaltig sein. Er zieht einen komplett anderen Schluss als die Unterzeichner in Genf: „Wenn die Aussicht auf einen Bakterienkrieg solche Angst auslöst, muss Japan alles daran setzen, die tödlichsten biologischen Waffen zu entwickeln und effektive Methoden finden, um Kriegsfeinde durch Krankheiten auszulöschen.“
Der Arzt heißt Ishii Shiro, und er wird sein ganzes Leben der biologischen Kriegsführung widmen. In den folgenden Jahren baut er im Auftrag Japans ein Programm zur Entwicklung von Biowaffen auf. 20.000 Mitarbeiter werden ihm dabei helfen, und etwa 3.000 Menschen werden dem japanischen Biowaffenprogramm zum Opfer fallen.
Ishii gilt als hochintelligent, für manche sogar als Genie. Gleichzeitig gilt er als ehrgeizig, arrogant und skrupellos – als jemand, der für seine Karriere über Leichen gehen würde. Als er seine Vision der Führung der kaiserlichen Armee vorstellt, wird seine ultranationalistische Gesinnung deutlich: „Was, wenn uns verfeindete Staaten mit biologischen Waffen angreifen? Wir wären hilflos ausgeliefert. Aber wir können uns die Möglichkeiten der neuen Waffentechnologie offensiv zu Nutze machen. Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise, in der es uns an Eisen und Stahl mangelt. Wir können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Biologische Kriegsführung spart nicht nur Geld und Rohstoffe, sondern schafft auch ein unschätzbares Tötungspotenzial.“
1928 geht Ishii wahrscheinlich im Auftrag der Armee auf eine zweijährige Weltreise. Er will Forschungsergebnisse über biologische Kriegsführung zusammentragen. Als er 1930 nach Japan zurückkehrt, hat sich die politische Landschaft massiv verändert. Unter dem neuen Kaiser Hirohito sind extrem rechte Kräfte an der Macht. Im Jahr zuvor wurde Japan schwer von der Weltwirtschaftskrise getroffen. Die Situation ist der perfekte Nährboden für Ishiis Ideen. Er will eine völlig neue Einrichtung aus dem Boden stampfen.
Das Institut für Epidemieprävention im japanischen Heeresministerium wirbt er wieder für seine Vision. Auf seiner Weltreise will er angeblich herausgefunden haben, dass auch andere Länder geheime Biowaffenprogramme haben. Dieses Mal ist der Armeeminister höchstpersönlich an Ishiis Forschung interessiert. Die Regierung stattet ihn mit den nötigen Ressourcen aus. Ishii soll an Japans Forschungen zur chemischen Kriegsführung aus dem Ersten Weltkrieg anknüpfen.
1932 nimmt das Institut in Tokio seine Arbeit auf. Ishii und sein Team experimentieren mit den Erregern von Rotz, Cholera, Typhus, Gasbrand, Milzbrand und Pest. Vor allem die Pest gilt als eine der gefährlichsten potenziellen Bakterienwaffen. Während seiner Weltreise hat Ishii aufmerksam die Auswirkungen der Pest zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert in Europa studiert. Der Name „Institut für Epidemieprävention“ verheimlicht, worum es Ishii bei seiner Forschung in Wirklichkeit geht.
Es gibt zwei Arten der bakteriologischen Kriegsforschung: Typ A und Typ B. Typ A bezeichnet Angriffsstrategien und Typ B Verteidigungsforschung. Impfstoffforschung gehört zum Typ B und kann in Japan durchgeführt werden. Forschung des Typs A hingegen kann nur im Ausland erfolgen. Das Problem mit Biowaffen ist, dass Krankheitserreger nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden. Eine in Tokio außer Kontrolle geratene Epidemie könnte Millionen Japaner in Gefahr bringen. Außerdem glaubt Ishii, dass Laborforschung nicht ausreicht, um mächtige biologische Waffen zu entwickeln. Er will seine Kreationen in der Praxis testen – regelmäßig, großflächig, an Menschen.
Das politische Klima in Japan bietet dafür geradezu perfekte Voraussetzungen. Japans neue Militärführung ist aggressiver als ihre Vorgänger. Sie setzt auf Expansion und zieht sogar die Besetzung der Mandschurei in Betracht. Die Region im Nordosten Chinas hat viele Rohstoffe und ist militärisch kaum geschützt. 1931 macht Japan seine Pläne zur Realität und besetzt die Mandschurei. Ein Jahr später wird der Marionettenstaat Mandschukuo gegründet.
Historiker beschreiben die Invasion als Japans entscheidenden ersten Schritt in Richtung totalitärer Faschismus und Krieg. In Ishiis Augen ist die Kolonie der perfekte Ort für seine Arbeit: Weit genug von Japan entfernt, falls etwas schiefläuft; dünn genug besiedelt, um die Experimente geheim zu halten; und die unterworfene Bevölkerung liefert ausreichend menschliche Versuchsobjekte. Ideale Bedingungen also für Typ-A-Forschung – biologische Angriffswaffen. Wenig später beantragt Ishii die Verlegung seines Instituts in die Mandschurei.
Im Marionettenstaat Mandschukuo lässt Ishii die Bewohner des Dorfes Beiyin vertreiben. Anschließend baut er dort die Zhongma-Festung – eine Mischung aus Forschungslabor und Gefangenenlager. Historiker sprechen später vom weltweit ersten Biowaffen-Vernichtungslager. Schon bald füllen sich die Zellen mit Straßendieben, Guerillakämpfern, Partisanen, Kommunisten, Dissidenten und Intellektuellen. Allein der Verdacht auf eine antijapanische Gesinnung reicht aus, um in der Festung zu landen.
Die Insassen werden Teil von Ishiis Forschung: Menschenversuche mit biologischen Waffen. Wie viele Gefangene dabei ums Leben kommen, ist bis heute unklar. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Inhaftierten beträgt nur etwa einen Monat. Japan hält diese Experimente streng geheim. Die Machthaber in Tokio wissen genau, was in der Anlage vor sich geht. Niemand in der Regierung äußert Kritik an den grausamen Tötungen, an den „Menschenopfern“, wie es die Wissenschaftler nennen.
Doch bevor Ishii und sein Team so richtig Fahrt aufnehmen können, geht so einiges schief. Eine Gruppe Gefangener kann fliehen, und das Munitionslager der Kaserne wird in die Luft gesprengt – vermutlich von kommunistischen Widerstandskämpfern. Das gesamte Projekt droht aufzufliegen. Um keine Spuren zu hinterlassen, lässt Ishii die Festung zerstören. Und er macht Druck auf die japanische Regierung: Er will eine neue Forschungseinrichtung, und die muss noch größer sein, noch abgelegener, hermetisch abgeriegelt, ohne Chance auf Entkommen.
1936 erlässt Kaiser Hirohito persönlich das entsprechende Dekret. Ishiis Institut soll erweitert werden. Es wird in die kaiserliche Quantung-Armee eingegliedert und zu einem riesigen Netzwerk mit etlichen Niederlassungen ausgebaut. Das Hauptquartier entsteht in Pingfang in der Mandschurei. Die dort stationierte Einheit trägt die Nummer 731. Der Codename wird traurige Geschichte schreiben.
Pingfang ist zwar abgeschieden, aber nicht weit weg von der südmandschurischen Eisenbahn. Eine neue Trasse zur Einheit 731 wird gebaut. Offiziell existiert sie nicht. Die geheime Zugverbindung dient allein dem Materialtransport – inklusive menschlichem „Versuchsmaterial“. Auf dem sechs Quadratkilometer großen Gelände werden gut 150 Gebäude aus dem Boden gestampft: ein Kraftwerk, Verwaltungsgebäude, Gefängnisse, Pferdeställe, Gewächshäuser und Obduktionssäle. Die Luftflotte der Einheit bekommt ein eigenes Flugfeld.
Hinzu kommen zahllose Container für die Produktion von Chemikalien und die Züchtung von Erregern. Der Komplex ist durch Stromzäune, Wachtürme und Schützengräben gesichert. Der Luftraum über der Anlage wird zur Sperrzone. Ishii leitet das Hauptquartier mit 3.500 Angestellten. Er hat viele der besten Medizinforscher Japans rekrutiert. Gemeinsam gehen sie einer einzigen Frage nach: Wie lassen sich Krankheiten wie Pest, Cholera oder Milzbrand als Waffen einsetzen?
Wärter bringen einen Gefangenen mittleren Alters in einen Behandlungsraum. Der Mann schweigt. Er weiß, dass er gleich sterben wird. Er wird ausgezogen und nackt auf einer Liege fixiert. Der Arzthelfer geht mit einem Skalpell auf ihn zu. Da gerät der Mann dann doch in Panik. „Ich schnitt ihn auf, von der Brust bis zum Bauch. Er schrie wie am Spieß, und sein Gesicht war völlig schmerzverzerrt. Die Geräusche des Geschreis waren entsetzlich, aber dann verstummte er irgendwann.
Für die Chirurgen dort war das ein normaler Arbeitstag, aber mir hat sich dieses erste Mal für immer ins Gedächtnis gebrannt.“ Der chinesische Gefangene wird vorsätzlich mit Pesterregern infiziert und dann seziert – lebendig, ohne Narkose. Die Forscher wollen sehen, was die Pest mit seinen inneren Organen macht. Eine Betäubung könnte die Ergebnisse verfälschen. Zwischen 1936 und 1945 werden bei solchen Experimenten mindestens 3.000 Menschen getötet. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher.
1937 bricht der Pazifikkrieg aus. 1941 tritt Japan mit dem Angriff auf Pearl Harbor in den Zweiten Weltkrieg ein. Die Einheit 731 setzt ihre Experimente unbeirrt fort. Durch die Anbindung ans Militär bekommt sie außerdem neue Aufgaben. Die Ärzte sollen untersuchen, wie der menschliche Körper auf Extrembedingungen reagiert, zum Beispiel auf Frost. Gefangene müssen barfuß im Schnee ausharren. Bestimmte Gliedmaßen werden in Eiswasser getaucht und zum Gefrieren gebracht. Andere Häftlinge werden in Hochdruckkammern gesperrt, um zu testen, ab wann ihnen die Augen aus dem Schädel treten. Frauen werden zur Schwangerschaft gezwungen und mit Krankheiten wie Syphilis infiziert. So wird erforscht, wie sich die Krankheit auf das Kind überträgt und wie hoch seine Überlebenschancen sind. Obwohl in Pingfang etliche Kinder in Gefangenschaft zur Welt kommen werden, wird kein einziges davon überleben.
Wir könnten ewig so weitermachen. Die Liste der Grausamkeiten ist so unerträglich lang. In den Laboren stehen zwei Meter hohe Tanks mit Formaldehyd, in denen von Kopf bis Fuß aufgetrennte Leichen schwimmen. In anderen Gefäßen werden Hände, Füße, Köpfe und Organe aufbewahrt. Alles ist sorgfältig beschriftet und dokumentiert. Nebenan läuft die Produktion der Biowaffen auf Hochtouren. Abteilung 4 der Einheit 731 produziert eine Tonne Cholerabakterien, eine halbe Tonne Milzbranderreger und 700 kg Typhusbakterien pro Monat.
Andere Abteilungen entwickeln mit Bakterienpulver gefüllte Bomben und erproben ihre Wirkung im Feld. Gefangene werden an Pfähle gebunden und mit Testwaffen beschossen. Flugzeuge werfen Bakterienkulturen und infizierte Flöhe über besetzten chinesischen Gebieten ab. Soldaten kontaminieren Brunnen und Wasserquellen mit Cholera und Typhus. Man will herausfinden, wie viele Menschen bei solchen Angriffen sterben. In ihrer Hochzeit produziert Einheit 731 genug Bakterien, um die gesamte Weltbevölkerung mehrfach auszulöschen.
Nach quälend langen Jahren neigt sich der Zweite Weltkrieg dem Ende zu. Die Alliierten kontrollieren den Großteil des Pazifikraums. Japans wichtigste Verbündete, Italien und Deutschland, haben längst kapituliert. Das Kaiserreich stemmt sich als letzte verbliebene Achsenmacht gegen die Niederlage. Am 6. und 9. August 1945 werfen die USA Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ab, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. In Pingfang wird man nervös. Die Verantwortlichen versuchen panisch, alle Beweise für ihre Verbrechen zu vernichten. Die Ergebnisse ihrer Forschung dürfen auf keinen Fall in die Hände der Sowjets fallen. Zwangsarbeiter werden erschossen, die restlichen Gefangenen vergast. Die Leichen werden in einen nahegelegenen Fluss geworfen.
Am 10. August 1945, fünf Tage vor Japans Kapitulation, sprengt die Einheit 731 sämtliche Gebäude in die Luft. Infizierte Versuchstiere werden einfach freigelassen. Ihre Verbreitung führt zu verheerenden Epidemien in der Region, bei denen etwa 30.000 weitere Menschen sterben. Die wichtigsten Unterlagen nimmt Ishii höchstpersönlich mit zurück nach Japan. Die Einheit lässt zwei Millionen biologische Waffenteile in der Mandschurei zurück. Ähnliches spielt sich an den Zweigstellen der Einrichtung ab.
Insgesamt fallen Japans Biowaffenforschung mindestens 580.000 Menschen zum Opfer. Nach dem Krieg befürchtet Ishii, als Kriegsverbrecher belangt zu werden. Deshalb inszeniert er ein Scheinbegräbnis in Tokio, um seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Aber der Plan geht nicht auf. Im Februar 1946 findet ihn die US-Armee und verhaftet ihn.
Die Amerikaner wissen über Japans geheime Biowaffenforschung Bescheid. Im Hintergrund zeichnet sich bereits der Kalte Krieg mit der Sowjetunion ab. Die USA haben während des Zweiten Weltkriegs selbst mit biologischen Waffen experimentiert, und jetzt haben sie es auf die Forschung der Japaner abgesehen. „Solche Informationen könnten wegen der ethischen Bedenken im Zusammenhang mit Humanexperimenten nicht in unseren eigenen Laboren gewonnen werden.“ Die Amerikaner haben denselben Gedanken wie die Japaner: Die Erkenntnisse dürfen nicht in sowjetische Hände fallen.
Und so wittern die japanischen Biowaffenforscher eine Chance, ungeschoren mit ihren Taten davonzukommen. Die zahlreichen Treffen und Interviews zwischen den USA und Ishiis Gruppe sind ausführlich dokumentiert. „Wenn Sie mir Immunität für mich, meine Vorgesetzten und Mitarbeiter garantieren, gebe ich Ihnen alle Dokumente. Sie profitieren in der Vorbereitung auf den Krieg mit der Sowjetunion von meiner 20-jährigen Forschung und Expertise.“
Fest steht aber: Die USA halten die geheime Forschung für so wichtig, dass ihr Mehrwert bei weitem größer ist als der einer Strafverfolgung der Kriegsverbrechen. Es kommt zu einem Deal. Keiner der führenden Biowaffenforscher kommt je vor Gericht – auch Ishii selbst nicht. Den KZ-Ärzten der Nazis wird nach dem Krieg in Nürnberg der Prozess gemacht, aber in Japan wird der drastische Großteil der beteiligten Mediziner nie für seine Verbrechen belangt. Die sowjetische Armee konnte in der Mandschurei zwölf Mitglieder der Einheit 731 gefangen nehmen und stellt sie 1949 vor Gericht. Sie gestehen, Bomben mit pestinfizierten Flöhen auf Zivilisten geworfen zu haben, und sie berichten aus erster Hand von den grausamen Experimenten an Menschen.
Der Westen tut das Verfahren damals als kommunistischen Schauprozess ab. Die Verurteilten werden nach kurzen Haftstrafen freigelassen. Auch sie haben Forschungsergebnisse der Einheit 731 preisgegeben, um mildere Urteile auszuhandeln. Bis 1956 sind alle auf freiem Fuß und zurück in Japan. Viele der führenden Biowaffenforscher leben noch Jahrzehnte unbehelligt im Land weiter. Kriegsverbrecher, die Menschen bei lebendigem Leib seziert haben, steigen in Machtpositionen auf: zum Gouverneur von Tokio, zum Chef von Japans größtem Pharmakonzern, zum Präsidenten der japanischen Ärztekammer und in etliche andere Spitzenposten.
Es gibt erdrückende Beweise dafür, dass die japanische Regierung von den Gräueltaten der Einheit 731 wusste. Und trotzdem erkennt ein Tokioter Bezirksgericht erst 2002 an, dass Japan biologische Kriegsführung betrieben hat. „Das Hauptziel bestand in der Erforschung, Entwicklung und Herstellung biologischer Waffen. Dafür wurden Gefangene aus dem chinesischen Widerstand als Versuchsobjekte eingesetzt.“ Entschädigungszahlungen werden vom Gericht trotzdem abgelehnt. 2018 veröffentlicht das japanische Nationalarchiv eine Liste. Sie enthält die Namen von 3.607 Mitarbeitern der Einheit 731. Ishii bekommt davon nichts mehr mit. Er ist 1959 an Kehlkopfkrebs gestorben. Bis zu seinem Tod nahm Ishii regelmäßig an Ehemaligentreffen der Einheit teil. Bis heute bestreiten einige seiner früheren Mitarbeiter, jemals an Menschenversuchen beteiligt gewesen zu sein.




