Fliegerfaust (Luftfaust): Deutschlands verzweifelter Versuch einer tragbaren Flugabwehrrakete in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs.H
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs stand das Deutsche Reich militärisch, wirtschaftlich und psychologisch am Abgrund. Die Fronten brachen zusammen, die Industrie war durch alliierte Bombardierungen schwer beschädigt, und die Luftherrschaft lag fast vollständig in den Händen der Alliierten. Besonders verheerend wirkten die alliierten Jagdbomber, die in niedriger Höhe deutsche Truppen, Nachschubkolonnen, Eisenbahnlinien und Städte angriffen – oft ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen.

Aus dieser verzweifelten Lage heraus entstand eines der ungewöhnlichsten Waffenprojekte des Krieges: die Fliegerfaust, auch Luftfaust genannt. Sie war der Versuch, dem einfachen Infanteristen ein Mittel an die Hand zu geben, um sich gegen feindliche Tiefflieger zu verteidigen – ohne schwere Geschütze, Radar oder komplexe Ausbildung.
Die Grundidee war einfach, fast schon radikal: eine leichte, schultergestützte Abschussvorrichtung mit mehreren kleinen Raketenrohren, die gleichzeitig oder in schneller Folge abgefeuert wurden. Statt Präzision setzte man auf Streuung. Mehrere ungelenkte Raketen sollten ein „Wolkenfeuer“ bilden, das die Wahrscheinlichkeit erhöhte, ein schnell vorbeifliegendes Flugzeug zu treffen.
Die Entwicklung begann 1944 unter extremem Zeitdruck. Anders als klassische Flugabwehrkanonen benötigte die Fliegerfaust weder große Geschützstellungen noch ausgebildete Bedienmannschaften. Jeder Soldat sollte sie tragen, anlegen und im richtigen Moment abfeuern können. Zielen erfolgte ausschließlich mit dem Auge – ohne elektronische Hilfsmittel, ohne Führungssysteme.





