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Sie liebte einen Nazi, verführte die Leinwand, stürzte ins Verbrechen und endete im Vergessen – der tragische Absturz der Lída Baarová.H

Adolf Hitler steht auf dem Höhepunkt seiner Macht. Mit einem einzigen Federstrich sichert er sich das Sudetenland, ohne einen Schuss abzufeuern. Das Münchner Abkommen, unterzeichnet auch von Großbritannien und Frankreich, lässt die Tschechoslowakei verraten und geschwächt zurück: ihrer Grenzen beraubt, ihrer Verteidigung entkleidet.

Nur wenige Monate zuvor hat Hitler bereits Österreich durch den sogenannten „Anschluss“ in das Deutsche Reich eingegliedert und damit einen zentralen Bestandteil seiner nationalistischen Vision erfüllt. Im Inneren wird er als genialer Diplomat gefeiert, als Beschützer des deutschen Volkes. Die nationalsozialistische Propaganda überflutet Rundfunk und Presse mit Bildern eines triumphierenden „Führers“, der Stolz und Macht zurückgebracht habe.

Die deutsche Bevölkerung jubelt, das Regime scheint unantastbar. Doch hinter der sorgfältig inszenierten Fassade von Stärke und Einheit braut sich ein Skandal zusammen, der droht, den Mythos des Nationalsozialismus zu erschüttern. Einer der mächtigsten Männer des Regimes, Propagandaminister Joseph Goebbels, ist in eine leidenschaftliche Affäre verstrickt – mit einer Frau, deren Schönheit und Ausstrahlung selbst die kältesten Herzen erweichen, und deren Herkunft aus einem Land stammt, das Hitler zutiefst verachtet.

Ihr Name ist Lída Baarová.

Lída Baarová (†86) o svých chvilkách s vůdcem: Adolf Hitler (†56) byl milý  a zdvořilý! | Ahaonline.cz

Lída Baarová wird am 7. September 1914 in Prag als Ludmila Babková geboren, damals Teil der Habsburgermonarchie Österreich-Ungarn. Ihr Vater Karel Babka arbeitet als städtischer Beamter, ihre Mutter Ludmila ist Opernsängerin und Mitglied des Chors des Nationaltheaters in Prag. Sie hat eine jüngere Schwester, Zora Babková, die später unter dem Künstlernamen Zorka Janů bekannt wird.

Schon in der Kindheit zeigen beide Mädchen ein ausgeprägtes Talent für die Bühne. Lída fällt durch ihre außergewöhnliche Schönheit und Haltung auf, während Zorka bald ebenfalls erste Schauspielrollen erhält. In der Zwischenkriegszeit wächst Lída in der Tschechoslowakischen Republik auf, einem vergleichsweise stabilen und demokratischen Staat mit parlamentarischem System und lebendigem politischen Leben.

Kulturell entwickelt sich das Land zu einem Zentrum moderner Kunst, Literatur und Architektur, insbesondere in Prag. Bemerkenswert ist auch der vergleichsweise fortschrittliche Umgang mit nationalen Minderheiten. Die Verfassung garantiert gleiche Rechte, Minderheiten dürfen ihre Sprache und kulturellen Institutionen bewahren.

In diesem Umfeld besucht Lída das Prager Konservatorium und strebt eine künstlerische Laufbahn an. Als sie jedoch mit 17 Jahren eine Filmrolle angeboten bekommt, ergreift sie die Gelegenheit. Die Hochschule missbilligt ihr Engagement und verweist sie wegen eines Verbots für studentische Filmarbeit des Hauses.

Lída Baarová - Super.cz

Statt ihre Ambitionen zu zerstören, wirkt dieser Ausschluss wie ein Zündfunke. Lída stürzt sich mit neuem Ehrgeiz in die tschechoslowakische Filmwelt und avanciert Anfang der 1930er-Jahre zu einem der gefragtesten Stars des Landes.

Zunächst feiert sie Erfolge in Komödien und spielt an der Seite populärer Schauspieler. Ihre elegante Erscheinung und ihre natürliche Leinwandpräsenz machen sie beim Publikum beliebt. Kritiker konzentrieren sich jedoch häufig mehr auf ihre Schönheit als auf ihr schauspielerisches Können.

Entschlossen, mehr Tiefe zu zeigen, sucht sie anspruchsvollere Rollen. Regisseure erkennen ihr Potenzial und besetzen sie in dramatischeren Filmen. Parallel dazu beginnt auch ihre Schwester Zorka Janů eine vielversprechende Karriere in Theater und Film.

Doch Mitte der 1930er-Jahre reicht Baarovás Ruhm über die Landesgrenzen hinaus – ausgerechnet bis in das Land, das der freien und demokratischen Tschechoslowakei feindlich gegenübersteht: das nationalsozialistische Deutschland.

Ambitioniert und sich der Bedeutung der Berliner Filmstudios bewusst, entscheidet sich Baarová, mit dem Regime zu arbeiten. Deutschland verfügt zu dieser Zeit über die größte Filmindustrie Europas, leidet jedoch unter einem Mangel an Schauspielern, da viele Künstler ins Exil gegangen sind oder den ideologischen Anforderungen der Nationalsozialisten nicht entsprechen.

Joseph Goebbels, Hitlers Propagandaminister, formt den Film zu einem mächtigen Instrument politischer Einflussnahme – getarnt als Unterhaltung.

Lída Baarová verlässt Prag und zieht nach Berlin. Dort begegnet sie Adolf Hitler, der zu ihr sagt:

„Sie sehen aus wie jemand, der eine sehr große Rolle in meinem Leben gespielt hat.“

Er spielt damit auf seine verstorbene Nichte Geli Raubal an.

In Deutschland unterschreibt Baarová einen Vertrag bei der UFA, die fest in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda gestellt ist. Sie spielt in erfolgreichen Filmen und begeistert Publikum wie Kritiker. Ihre elegante Beherrschung der deutschen Sprache und ihre zeitlose Schönheit machen sie zu einer Sensation.

Es gibt sogar Gerüchte über Interesse aus Hollywood. Später nennt sie es den größten Fehler ihres Lebens, ein langfristiges Angebot aus den USA abgelehnt zu haben. Sie sagt rückblickend:

„Ich hätte so berühmt werden können wie Marlene Dietrich.“

Während ihrer Zeit in Deutschland hat sie eine Beziehung mit dem Schauspieler Gustav Fröhlich, der nicht nur durch seine Rollen, sondern auch durch seine Anpassung an das Regime bekannt ist.

Obwohl leichte Unterhaltung offiziell toleriert wird, kontrolliert das Regime im Hintergrund das Bild ausländischer Stars streng. Filme dienen nicht nur der Ablenkung, sondern verfolgen stets auch politische Ziele.

Goebbels betrachtet das Kino als ideales Mittel, um Gefühle und Gedanken zu beeinflussen, ohne offen zu predigen. Stars werden gezielt eingesetzt, um Loyalität zum Regime zu erzeugen und dem Dritten Reich ein glamouröses Antlitz zu verleihen.

Inmitten der glanzvollen Premieren und Empfänge Berlins zieht Lída Baarová Goebbels’ persönliche Aufmerksamkeit auf sich. Gerüchte über eine Affäre machen die Runde. Baarová behauptet später, sie habe zunächst Widerstand geleistet, doch Goebbels’ Machtposition mache eine Ablehnung unmöglich.

Die Beziehung entwickelt sich weiter – obwohl Goebbels verheiratet ist und vom Regime als vorbildlicher Familienvater präsentiert wird. Der Skandal bedroht sowohl sein Image als auch Hitlers sorgfältig gepflegte Ideologie.

Goebbels entspricht in keiner Weise dem nationalsozialistischen Idealbild. Körperlich beeinträchtigt, gesundheitlich angeschlagen und vom Militärdienst ausgeschlossen, gleicht er äußerlich keinem Helden. Doch seine Charisma, sein Ehrgeiz und seine Macht gleichen aus, was ihm an Erscheinung fehlt – und ziehen Baarová in seinen Bann.

Der Skandal erreicht seinen Höhepunkt, als Goebbels erwägt, sich von seiner Frau zu trennen. Hitler greift ein und erzwingt das Ende der Affäre. Baarová wird zugleich ein Arbeitsverbot in der deutschen Filmindustrie auferlegt. Ihre Karriere in Berlin ist beendet.

Gedemütigt kehrt sie nach Prag zurück – in ein Land, das sich grundlegend verändert hat. Nach dem Münchner Abkommen verliert die Tschechoslowakei große Teile ihres Territoriums, wenig später zerfällt der Staat, und das Protektorat Böhmen und Mähren wird unter deutscher Besatzung errichtet.

Obwohl formell Autonomie vorgetäuscht wird, liegt die Macht beim nationalsozialistischen Regime. Repression, Zensur und Angst bestimmen den Alltag. Menschen mit Verbindungen zu den Nazis werden gesellschaftlich geächtet.

Auch Baarová findet sich in einem feindseligen Umfeld wieder. Ihre Vergangenheit verfolgt sie. Zwar spielt sie noch in einigen Produktionen, doch bald wird sie auch in der Heimat vom Film ausgeschlossen.

Auf der Suche nach einem Neuanfang geht sie nach Italien und arbeitet dort mit bekannten Regisseuren und Schauspielern. Doch der Krieg unterbricht immer wieder die Dreharbeiten.

Nach den alliierten Landungen in Italien kehrt sie vor Kriegsende nach Prag zurück. Später flieht sie nach Süddeutschland, wo sie von amerikanischen Truppen festgesetzt wird. Sie wird verhört und schließlich an die Tschechoslowakei ausgeliefert.

Monate der Haft folgen. In dieser Zeit trifft ihre Familie ein schweres Schicksal. Ihre Mutter stirbt während eines Verhörs an einem Herzinfarkt. Noch tragischer ist das Schicksal ihrer Schwester Zorka Janů, die aufgrund der familiären Belastung keine Rollen mehr erhält und sich schließlich das Leben nimmt.

Lída Baarová wird letztlich freigesprochen, doch der Makel bleibt. Gezeichnet von Schuldgefühlen, öffentlicher Verurteilung und persönlichen Verlusten verlässt sie nach der kommunistischen Machtübernahme das Land.

Sie lebt später in Österreich, versucht noch einmal zu schauspielern, erhält jedoch nur Nebenrollen. Der große Ruhm kehrt nicht zurück.

Ihre Geschichte ist ein Sinnbild für die moralischen und persönlichen Abgründe, in die Künstler in totalitären Systemen geraten können. Was als vielversprechende Karriere beginnt, endet in Skandal, Isolation und Vergessen.

In ihren letzten Lebensjahrzehnten lebt Lída Baarová zurückgezogen, häufig dem Alkohol zugewandt, um Enttäuschung und Schmerz zu betäuben. Sie stirbt kinderlos im hohen Alter. Ihre Asche wird gemeinsam mit der ihrer Eltern und ihrer Schwester auf dem Familiengrab in Prag beigesetzt.

Erst im Tod kehrt sie endgültig in ihre Heimat zurück.

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