Gudrun Burwitz wurde 1929 in München geboren – in eine Familie, die untrennbar mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verbunden ist. Als einzige Tochter von Heinrich Himmler, dem Reichsführer der SS, wuchs sie im Zentrum der Macht des nationalsozialistischen Regimes auf, abgeschirmt von der Realität der Gewalt und Verbrechen, die im Namen dieses Systems begangen wurden. Ihr Leben ist ein Beispiel dafür, wie Geschichte nicht nur Nationen, sondern auch einzelne Biografien unausweichlich prägt.
Schon früh lebte Gudrun in einer Welt voller Privilegien. Der Vater war eine der mächtigsten Figuren des Dritten Reiches, häufig abwesend, doch für das Kind eine bewunderte Autorität. In Tagebüchern und Briefen aus ihrer Jugend wird deutlich, dass sie ihn als liebevollen, fast fürsorglichen Vater wahrnahm. Diese private Wahrnehmung stand jedoch in scharfem Kontrast zu der öffentlichen Rolle Himmlers als Architekt des SS-Systems, das unermessliches Leid verursachte.
Während des Krieges verbrachte Gudrun einen Teil ihrer Kindheit in geschützten Umgebungen, fernab der Front. Die nationalsozialistische Ideologie war für sie kein abstraktes Konstrukt, sondern Alltag. Schule, Freizeit und familiäres Umfeld waren von Loyalität zum Regime geprägt. Kritik oder Zweifel hatten dort keinen Platz. Wie viele Kinder ihrer Generation wuchs sie in einem streng kontrollierten Informationsraum auf, in dem die Realität gezielt ausgeblendet wurde.
Der Zusammenbruch des Dritten Reiches im Frühjahr 1945 bedeutete für Gudrun einen radikalen Bruch. Ihr Vater wurde nach Kriegsende von britischen Truppen gefasst und starb kurz darauf in Gefangenschaft. Für die damals 15-Jährige brach nicht nur die vertraute Welt zusammen, sondern auch das Bild des übermächtigen Vaters. Sie und ihre Mutter wurden interniert, verhört und schließlich entlassen – gesellschaftlich geächtet, ohne Besitz, ohne Schutz.
In den Nachkriegsjahren stand Gudrun vor einer Realität, die viele Kinder führender NS-Funktionäre teilten: Schuld durch Herkunft. Obwohl sie selbst keine Verantwortung für die Taten ihres Vaters trug, wurde ihr Name zu einer Last. Während andere versuchten, sich zu distanzieren oder ein neues Leben zu beginnen, entschied sich Gudrun Burwitz für einen anderen Weg. Sie hielt zeitlebens an einem positiven Bild ihres Vaters fest und lehnte eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Rolle konsequent ab.




