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Die tragische Geschichte von Elisabeth de Rothschild – eine französische Aristokratin, deren Leben in Ravensbrück zerbrach.H

Es ist der 30. Januar 1933 in Deutschland. Adolf Hitler, Anführer der NSDAP, wird zum Kanzler ernannt. Sein Ziel ist es, die deutsche „Herrenrasse“ im sogenannten Rassenkrieg gegen die von ihnen als minderwertig angesehenen Völker, vor allem gegen Juden, zum Sieg zu führen. Das NS-Regime begann rasch, die Bürger- und Menschenrechte von jüdischen Menschen einzuschränken und sie Schritt für Schritt aus Berufen, Unternehmen und öffentlichen Räumen auszuschließen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterscheidet sich das Vorgehen der deutschen Politik von Land zu Land, einschließlich der direkten brutalen Besatzung und des Rückgriffs auf kollaborierende Regime. Nach dem Fall Frankreichs im Mai 1940 wird das Land als Teil der Waffenstillstandserklärung, die Frankreich mit Deutschland im Folgemonat unterzeichnet hatte, in besetzte und nicht besetzte Zonen unterteilt.

Im März 1941 richtet das kollaborierende Vichy-Regime eine zentrale Behörde ein, das Generalkommissariat für jüdische Angelegenheiten, um die antijüdische Gesetzgebung und Politik zu koordinieren. Um sicherzustellen, dass die von der jüdischen Bevölkerung konfiszierten materiellen Güter und Vermögenswerte nicht in deutsche Hände gelängen, wird im Juli 1941 ein weitreichendes Arisierungsprogramm eingeleitet, bei dem jüdisches Eigentum vom französischen Staat enteignet wurde. Für viele französische Juden ist dies nur eine erste Maßnahme, bevor sie deportiert und in Nazi-Konzentrationslagern ermordet werden.

Unter den Deportierten ist eine Frau, die zu einer der reichsten Familien auf der Welt gehört. Ihr Name ist Elisabeth de Rothschild.

Elisabeth de Rothschild – Akustische Stolpersteine

Elisabeth Pelletier de Chambure, genannt „Lili“, wurde am 9. März 1902 in Paris, Frankreich, geboren. Ihre Eltern waren wohlhabende Katholiken. Zu den Vorfahren der Familie gehörte der napoleonische General Laurent Augustin Pelletier de Chambure, der an Napoleons Feldzügen in Preußen, Polen und Spanien beteiligt war. 1923 heiratete Elisabeth Marc de Becker-Remy, dem Sohn eines belgischen Aristokraten. Ihr Sohn Edouard wurde im darauffolgenden Jahr geboren.

Im Jahr 1933, als sie noch mit Marc verheiratet war, brachte Elisabeth ihre Tochter Philippine Mathilde Camille zur Welt, deren Vater der französische Baron Philippe de Rothschild war. Rothschild war nicht nur ein Cousin von Elisabeths Ehemann Marc, sondern auch Teil einer berühmten Familie und Besitzer eines der bekanntesten Weingüter Frankreichs, dem Château Mouton Rothschild in Pauillac im Médoc.

Am 22. Januar 1934, direkt nach ihrer Scheidung von Marc, heiratete Elisabeth Philippe de Rothschild. Sie konvertierte zum Judentum und die religiöse Zeremonie wurde von Julien Weill, dem Großrabbiner von Paris, geführt. Zusätzlich zu ihrer Tochter hatten die Rothschilds einen Sohn, Charles Henri, der 1938 geboren wurde, hatte jedoch schwere Behinderungen und starb kurz nach der Geburt. Der Verlust dieses Kindes beendete das, was Philippe später als Partnerschaft von großer Leidenschaft, aber auch enormer Turbulenz und Verzweiflung beschrieb. Die beiden trennten sich einvernehmlich und 1939 nahm Elisabeth wieder ihren Mädchennamen Pelletier de Chambure an.

Élisabeth de Rothschild - Wikipedia

Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Die deutsche Invasion Frankreichs, Belgiens, Luxemburgs und der Niederlande begann am 10. Mai 1940 und wurde bekannt als die Schlacht um Frankreich. Ursprünglich waren die französischen und britischen Befehlshaber davon ausgegangen, dass die deutschen Streitkräfte durch Zentralbelgien angreifen würden, wie sie es im Ersten Weltkrieg getan hatten, und eilten zur belgisch-französischen Grenze, um sich dem deutschen Angriff entgegenzusetzen. Der deutsche Hauptangriff erfolgte jedoch über die Ardennen im Südosten Belgiens und im Norden Luxemburgs. Deutsche Panzer und Infanterie durchbrachen die französischen Verteidigungslinien schnell und schritten voran in Richtung Küste.

Belgien und die Niederlande ergaben sich im Mai 1940. Zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940 wurden mehr als 300.000 französische und britische Soldaten von den Stränden bei Dünkirchen über den Ärmelkanal nach Großbritannien evakuiert. Paris, die französische Hauptstadt, fiel am 14. Juni 1940 an die Deutschen. Am 22. Juni desselben Jahres unterzeichnete Frankreich den Waffenstillstand mit Deutschland, der am 25. Juni 1940 in Kraft trat.

Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa 350.000 Juden in Frankreich. Nur etwa die Hälfte von ihnen waren französische Staatsbürger. Viele von ihnen waren Flüchtlinge, die versucht hatten, der Verfolgung der Nazis im Dritten Reich zu entkommen. Juden und andere gefährdete Gruppen, die vor der Repression in den von Deutschland besetzten Ländern Belgien, Luxemburg und den Niederlanden flohen, kamen im Sommer 1940 hinzu.

Im Anschluss an die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 bereiteten die deutschen Behörden die Deportation von Juden aus Frankreich und anderen westeuropäischen Ländern vor. Die Ernennung von SS-Generalmajor Karl Oberg zum Höheren SS- und Polizeiführer im von Deutschland besetzten Frankreich im März 1942 beschleunigte den Prozess. Ein erster Transport von mehr als 1.000 Juden verließ Compiègne in Richtung Auschwitz am 27. März 1942.

Am 29. Mai desselben Jahres verabschiedeten die deutschen Behörden einen Erlass, der am 7. Juni in Kraft trat und der Juden im besetzten Frankreich zum Tragen des gelben Davidsterns zwang. Nach einer Einigung mit den Kollaborateuren des Vichy-Regimes führten deutsche Beamte und französische Polizisten im Sommer 1942 Razzien bei Juden sowohl in den besetzten als auch in den unbesetzten Gebieten Frankreichs durch.

Die ersten Deportationskonvois aus Frankreich brachten nur erwachsene Juden Richtung Osten. So wurden Familien auseinandergerissen, da Großeltern, Eltern und ältere Geschwister an den Sammelstellen und in den deutschen und französischen Lagern von den jüngeren Kindern getrennt wurden. Im Spätsommer änderten die französischen Behörden ihre Politik und erlaubten von nun an die Deportation ganzer Familien. Ab diesem Zeitpunkt wurden auch Kinder und Jugendliche in den Konvois nach Osten deportiert.

Im Herbst 1942 hatten bereits 42.000 Juden das Transitlager Drancy am Rande von Paris durchlaufen. Ein großer Anteil der Opfer waren ausländische oder staatenlose Juden, darunter viele Franzosen, denen das Vichy-Regime 1940 die französische Staatsbürgerschaft aberkannt hatte. Offiziell verfolgte dieses keine französischen Juden, auch wenn diese Direktive nicht immer respektiert wurde. Ziel der meisten Deportationen war das Konzentrationslager Auschwitz, wo die SS die große Mehrheit der Deportierten kurz nach ihrer Ankunft mit Giftgas ermordete.

Die Deportation der französischen Juden im Sommer und Herbst 1942 löste in der katholischen Kirche, einem der wichtigsten Steigbügelhalter des Pétain-Regimes, und der Bevölkerung erhebliche Proteste aus. Die brutale Ausführung der Razzien erregte den Zorn der Öffentlichkeit, und die anfängliche Entscheidung, Kinder während des Deportationsprozesses von ihren Eltern zu trennen, stieß auf besondere Kritik. Zwischen März 1942 und August 1944 kamen etwa 77.000 in Frankreich lebende Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern um, eine überwiegende Mehrheit von ihnen in Auschwitz. Viele starben auch in französischer Haft. Ein Drittel der Opfer waren französische Staatsbürger.

Nach der deutschen Besatzung Frankreichs wurden Elisabeth und ihr Ehemann von der Vichy-Regierung festgenommen und das Weingut beschlagnahmt. Kurz darauf wurden sie wieder freigelassen. Philippe floh aus Frankreich nach England, um sich den Streitkräften für ein freies Frankreich und General Charles de Gaulle anzuschließen. Elisabeth und ihre Tochter Philippine blieben jedoch in Frankreich.

Elisabeth wurde 1941 zum ersten Mal verhaftet, angeblich beim Versuch, die Demarkationslinie mit einem falschen Ausweis, der auf ihren Mädchennamen Chambure ausgestellt war, zu überschreiten. Angeblich sorgte Fernand de Brinon, ein hoher Beamter des kollaborierenden Vichy-Regimes, für ihre Freilassung.

Nach dem Einmarsch der Alliierten im Juni 1944 wurde Elisabeth jedoch erneut verhaftet, weil sie eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der inhaftierten Juden organisiert hatte, die im Transitlager Drancy zur Deportation zusammengetrieben wurden. Eine andere Variante der Geschichte besagt, dass Elisabeth bei einer Vorführung der Saisonmode der italienischen Modeschöpferin Elsa Schiaparelli neben Suzanne Abetz saß, der Frau des deutschen Botschafters bei der Vichy-Regierung, Heinrich Otto Abetz. Da Elisabeth die Nähe der Frau von Abetz als unangenehm empfand, wechselte sie den Sitzplatz, was Suzanne Abetz zutiefst beleidigte.

Als die Gestapo Elisabeth im Juni 1944 verhaftete, war ihre Tochter Philippine bei ihr. Die beiden Gestapo-Offiziere stritten sich darum, ob sie Philippine zusammen mit ihrer Mutter verhaften sollten. Einer der Offiziere argumentierte, er habe eine Tochter im selben Alter zu Hause, und so ließen sie sie in Ruhe. Sie würde ihre Mutter nie wiedersehen.

Am 15. August 1944 wurde Elisabeth in einem Zug deportiert, der im letzten Konvoi war, der politische Gefangene aus der Pariser Großregion vor der Befreiung von Paris wegbrachte. 2.200 Menschen wurden in die Konzentrationslager Buchenwald und Ravensbrück deportiert. 15 % der Deportierten waren Frauen, darunter auch Elisabeth, die am 21. August 1944 das Frauenlager Ravensbrück erreichten.

Das im Mai 1939 eröffnete Konzentrationslager Ravensbrück war das einzige größere Frauenlager, das die Nazis errichteten. Das Personal bestand aus SS-Männern, die als Wachen und Verwalter dienten, und 150 Frauen, die Aufseherinnen waren. Die Aufseherinnen waren entweder Freiwillige der SS oder Frauen, die die Stelle für ihre gute Bezahlung und Arbeitsbedingungen angenommen hatten. Ravensbrück beherbergte auch ein Ausbildungslager für SS-Aufseherinnen, die von Dorothea Binz, einer sadistisch grausamen Nazi-Offizierin und Aufseherin, unterrichtet wurden. Sie brachte ihren Auszubildenden bei, wie man mit den Häftlingen, die sie beaufsichtigen würden, umzugehen hatten.

Die Häftlinge mussten bis zu ihrem Tod arbeiten, und die Aufgabe der Aufseherinnen war es, die meiste Arbeit aus ihnen herauszuholen, ohne sie umzubringen. So wurde Ravensbrück auch zu einem Ausbildungszentrum oder einer Schule der Gewalt für etwa 3.500 Aufseherinnen, die später dort oder in anderen Konzentrationslagern arbeiteten. Insgesamt durchliefen etwa 132.000 Frauen aus ganz Europa das Konzentrationslager Ravensbrück. Unter den Gefangenen waren Polinnen, Russinnen, Jüdinnen, Romnja und andere. Etwa 92.000 von ihnen starben.

Als das Lager am 30. April 1945 von der Roten Armee befreit wurde, befanden sich noch 3.500 kranke Frauen, Männer und Kinder dort. Elisabeth war jedoch keine von ihnen. Berichten zufolge starb sie am 23. März 1945, einen Monat vor der Befreiung, an epidemischem Typhus. Den Memoiren ihres Ehemanns Philippe zufolge wurde sie jedoch bei lebendigem Leibe in einen Ofen des Krematoriums Ravensbrück geworfen.

Sie war 43 Jahre alt. Elisabeth war das einzige Mitglied der Bankiersdynastie Rothschild, das im Holocaust oder während des Zweiten Weltkriegs ermordet wurde. Ihre Kinder überlebten den Krieg. Ihr Sohn Edouard starb 1984 und ihre Tochter Philippine im Jahr 2014 im Alter von 80 Jahren. Für Elisabeth de Rothschild wurden viele Tränen vergossen.

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