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Deutschland, Mai 1940 bei Abbeville – Die 7. Panzerdivision und der Vormarsch der „Gespensterdivision“.H
Im Frühjahr 1940 befand sich Europa in einem dramatischen Umbruch. Nach Monaten des sogenannten „Sitzkriegs“ begann am 10. Mai der deutsche Angriff im Westen. Innerhalb weniger Wochen sollte sich entscheiden, was zuvor undenkbar schien: der schnelle Zusammenbruch der französischen Front. Eine der entscheidenden Rollen in diesem Feldzug spielte die 7. Panzerdivision der deutschen Wehrmacht – geführt von Generalmajor Erwin Rommel.

Rommel war zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter, aber auch noch keine Legende. Als ehrgeiziger, energischer Offizier übernahm er eine Division, die bald einen außergewöhnlichen Ruf erlangen sollte. Die 7. Panzerdivision wurde berühmt für ihre Geschwindigkeit, ihre Unberechenbarkeit und ihren tiefen Vorstoß in feindliches Gebiet. Schon bald erhielt sie ihren Spitznamen: die „Gespensterdivision“.
Der Wendepunkt kam Mitte Mai 1940. Nach dem schnellen Vormarsch durch die Ardennen erreichten deutsche Panzerverbände die Maas. Bei Dinant gelang es der 7. Panzerdivision am 13. und 14. Mai, den Fluss zu überqueren. Dieser Übergang war riskant und erfolgte unter feindlichem Feuer, doch er gelang. Von diesem Moment an verlor Rommel keine Zeit.

Anstatt auf langsamere Einheiten zu warten, trieb er seine Division unermüdlich voran. Marschrichtungen änderten sich kurzfristig, Befehle wurden improvisiert, Chancen sofort genutzt. Diese aggressive Führung führte dazu, dass selbst das deutsche Oberkommando zeitweise nicht genau wusste, wo sich die 7. Panzerdivision befand. Karten waren überholt, Meldungen widersprüchlich – daher der Name „Gespensterdivision“.
In wenigen Tagen legte die Division enorme Distanzen zurück. Straßen, die kaum verteidigt waren, wurden genutzt, gegnerische Stellungen umgangen oder überrannt. Der französische Widerstand war vielerorts überrascht, teils desorganisiert. Die Geschwindigkeit des Vormarsches wirkte lähmend. Ganze Einheiten der Alliierten verloren den Kontakt zu ihren Nachbarn.

Am 20. Mai 1940 erreichte die 7. Panzerdivision den Raum Abbeville an der Somme-Mündung. Damit gehörte sie zu den ersten deutschen Einheiten, die den Ärmelkanal erreichten. Dieser Moment war strategisch von enormer Bedeutung. Der Vorstoß schnitt die alliierten Armeen in Belgien und Nordfrankreich vom restlichen französischen Heer im Süden ab.
Mit dem Erreichen des Kanals war der Kessel faktisch geschlossen. Hunderttausende britische, französische und belgische Soldaten waren eingeschlossen. Der Weg zurück nach Süden war abgeschnitten. Die Ereignisse bei Abbeville trugen entscheidend dazu bei, dass sich die Alliierten später zur Evakuierung bei Dünkirchen gezwungen sahen.
Doch der Vormarsch war nicht ohne Widerstand. In der Region um Abbeville richtete die 7. Panzerdivision einen Brückenkopf ein, der mehrfach angegriffen wurde. Britische und französische Gegenoffensiven versuchten, den Korridor wieder zu öffnen und die Einkesselung zu verhindern. Es kam zu schweren Kämpfen, bei denen die Division ihre Stellung mit Panzer-, Infanterie- und Artilleriekräften verteidigte.

Diese Gefechte zeigten, dass der schnelle Vormarsch nicht nur auf Tempo, sondern auch auf Durchhaltefähigkeit beruhte. Die 7. Panzerdivision hielt stand, trotz Nachschubproblemen und Erschöpfung. Rommel war oft persönlich an der Front, traf Entscheidungen vor Ort und griff direkt in das Kampfgeschehen ein – ein Führungsstil, der Bewunderung wie auch Kritik hervorrief.
Der Frankreichfeldzug 1940 wurde später oft als Beispiel für den modernen Bewegungskrieg betrachtet. Doch hinter der militärischen Effizienz standen Chaos, Zufall und immense menschliche Verluste. Der Erfolg der „Gespensterdivision“ beruhte nicht nur auf Planung, sondern auch auf Risiko, Improvisation und der Überforderung des Gegners.
Für Erwin Rommel wurde der Feldzug zum Wendepunkt seiner Karriere. Sein Ruf als kühner, schneller Befehlshaber war begründet. Die 7. Panzerdivision wurde zum Mythos – ein Symbol für Geschwindigkeit und operative Überraschung. Doch dieser Mythos darf nicht losgelöst von den Folgen betrachtet werden: der Niederlage Frankreichs, der Einkesselung ganzer Armeen und dem weiteren Verlauf eines verheerenden Krieges.
Heute wird der Vormarsch bei Abbeville militärhistorisch analysiert, nicht um ihn zu glorifizieren, sondern um zu verstehen, wie moderne Kriegsführung funktioniert – und welche Konsequenzen sie hat. Die „Gespensterdivision“ war kein Spuk, sondern Realität. Eine Realität aus Stahl, Geschwindigkeit und Zerstörung.



