Berlin 1945: Deutsche Kriegsgefangene marschieren durch die Straßen – vorbei an sowjetischen ISU-122, ein eindringliches Bild vom Ende des Krieges.H
Im Frühjahr 1945 bot Berlin ein Bild des vollständigen Zusammenbruchs. Die Kämpfe um die deutsche Hauptstadt hatten weite Teile der Stadt zerstört, Straßen lagen in Trümmern, Gebäude waren ausgebrannt, und das öffentliche Leben war nahezu zum Erliegen gekommen. In dieser Atmosphäre entstand eine der eindringlichsten Szenen der letzten Kriegstage: Eine Kolonne deutscher Kriegsgefangener wird durch die Straßen Berlins geführt, vorbei an sowjetischen ISU-122-Selbstfahrlafetten – schweren gepanzerten Fahrzeugen, die sinnbildlich für die militärische Überlegenheit der Roten Armee standen.

Die Männer in der Kolonne tragen unterschiedliche Uniformteile, viele wirken erschöpft, einige verletzt. Wochen oder Monate ununterbrochener Kämpfe, Mangel an Nahrung und Schlaf sowie die psychische Belastung des nahenden Endes haben ihre Spuren hinterlassen. Für diese Soldaten war der Krieg nicht mehr eine abstrakte Frontlinie, sondern eine persönliche Erfahrung von Niederlage, Gefangenschaft und ungewisser Zukunft.
Die sowjetischen ISU-122, an denen die Kolonne vorbeizieht, waren speziell für den Häuserkampf und zur Bekämpfung schwerer Ziele konzipiert. Ausgerüstet mit einer 122-mm-Kanone spielten sie eine wichtige Rolle bei der Einnahme Berlins. Ihre massive Erscheinung im Stadtbild machte deutlich, dass der militärische Widerstand der deutschen Truppen gebrochen war. Für die Zivilbevölkerung wie auch für die gefangenen Soldaten waren diese Fahrzeuge ein unmissverständliches Zeichen: Der Krieg war entschieden.
Solche Märsche deutscher Kriegsgefangener durch Berlin waren in den letzten Kriegstagen keine Seltenheit. Sie dienten in erster Linie der Organisation und Kontrolle, hatten aber auch eine symbolische Wirkung. Der Anblick der besiegten Soldaten in den eigenen Straßen markierte das Ende eines Krieges, der sechs Jahre lang Europa verwüstet hatte. Gleichzeitig begann für die Gefangenen ein neuer, ungewisser Abschnitt ihres Lebens.
Die Behandlung deutscher Kriegsgefangener variierte stark und hing von Ort, Zeitpunkt und Umständen der Gefangennahme ab. In den ersten Tagen nach der Kapitulation herrschten oft chaotische Zustände. Versorgungsengpässe, improvisierte Sammellager und fehlende medizinische Betreuung prägten die Situation. Viele Gefangene wussten nicht, wohin sie gebracht wurden oder wie lange ihre Gefangenschaft dauern würde. Für manche begann eine jahrelange Internierung, für andere eine vergleichsweise schnelle Entlassung.
Für die Berliner Zivilbevölkerung hatten solche Szenen eine doppelte Bedeutung. Einerseits war der Anblick deutscher Soldaten in Gefangenschaft ein schmerzhaftes Zeichen der Niederlage. Andererseits bedeutete er für viele auch das Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen und damit die Hoffnung auf ein Überleben in einer zerstörten Stadt. Zwischen Ruinen, ausgebrannten Fahrzeugen und notdürftig errichteten Barrikaden begann langsam der Übergang vom Krieg zum Frieden.

Historisch betrachtet sind Fotografien und Berichte solcher Momente von großer Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur militärische Abläufe, sondern auch menschliche Schicksale. Hinter jeder Uniform in der Kolonne stand ein individuelles Leben – junge Männer, die eingezogen worden waren, Familien, die auf Nachrichten warteten, und Biografien, die durch den Krieg unwiderruflich geprägt wurden. Diese Bilder erinnern daran, dass das Ende eines Krieges nicht nur ein politisches oder militärisches Ereignis ist, sondern vor allem ein menschliches.
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Heute werden solche Aufnahmen nüchtern eingeordnet. Sie dienen der historischen Aufarbeitung und der Erinnerungskultur, nicht der Verherrlichung oder Schuldzuweisung. Die Szene der deutschen Kriegsgefangenen in Berlin steht exemplarisch für den Zusammenbruch eines Regimes und für den hohen Preis, den Millionen Menschen auf allen Seiten gezahlt haben.
Der Blick auf diese Kolonne, geführt durch eine zerstörte Stadt und begleitet von schweren sowjetischen Waffen, macht deutlich, wie abrupt Machtverhältnisse sich ändern können. Er mahnt, Krieg nicht als abstraktes Konzept zu betrachten, sondern als Realität, die Gesellschaften zerreißt und Generationen prägt. In der stillen Bewegung dieser Männer durch die Straßen Berlins verdichtet sich das Ende des Zweiten Weltkriegs – nicht in Triumph oder Pathos, sondern in Erschöpfung, Stille und der offenen Frage nach der Zukunft.




